Tag : mentale Stärke

Young woman practicing yoga pose on rocks at beach, Los Angeles, California, USA

Balanceakt – Vorsätze erfüllen

Ihre Vorsätze sind in der Vergangenheit häufig gescheitert? Vielleicht lag das daran, dass Ihnen die innere Balance fehlte, um konstant am Ball zu bleiben. Wir zeigen, wie Sie endlich erfolgreich ins Gleichgewicht kommen – und wie Sport dabei helfen kann.

Damit sich durch Vorsätze tatsächlich etwas ändert, muss sich vor allem die Art, wie wir die Vorsätze angehen und formulieren, ändern. Sport kann dabei mehr sein als der Inhalt eines guten Vorsatzes. Sport kann vielmehr dabei helfen, eine innere Balance zu finden, die es uns möglich macht, Vorsätze einzuhalten. „Je weniger Sport wir machen, desto lethargischer werden wir“, sagt die Kölner Psychologin Franziska Schneider. Glückshormone, die beim Sportmachen ausgeschüttet werden, könnten dafür sorgen, dass wir auch für andere Aufgaben bereit sind und Dinge positiver betrachten und anpacken.

Zwischenetappen

Um Sachen anzupacken und Ziele erfolgreich umzusetzen sei es zudem wichtig, dass man sich klare Ziel setze, besonders wenn man Probleme habe, sich zu motivieren. Da helfe es wenig, lose zu sagen, dass man mehr Sport machen wolle. In den Fällen sei es besser, sich zum Beispiel direkt für einen wöchentlichen Aerobic-Kurs anzumelden. Oder mit Zwischenetappen zur arbeiten, also sich beim Gewicht vorzunehmen, zwei Kilo in den nächsten zwei Monaten zu verlieren. Klare Ziele dürften aber nicht mit strikten Zielen verwechselt werden. „Es ist genauso wichtig, dass die Ziele auch flexibel sind“, erklärt Schneider. So könne man zum Beispiel von vorneherein sagen, dass man in Gesellschaft oder am Wochenende weiterhin ein Stück Kuchen esse. Eine Autorin der „New York Times“ hat dieses Agieren sehr schön umschrieben: „Machen Sie sich einen Plan, aber bleiben Sie doch bitte flexibel für den Fall, dass Ihnen das Leben in die Quere kommt.“

Wichtigstes Ziel: Spaß!

Flexible Ziele sorgen auch dafür, dass man nicht direkt aufgibt, wenn man einmal gegen den Plan verstößt“, sagt die Psychologin. Beim ersten Mal könne man sogar so tun, als wäre es gar nicht passiert – als hätte man nicht die morgendliche Joggingrunde geschwänzt, um erst gar nicht dem schlechten Gefühl eine Bühne zu bieten. Solch eine Vorgehensweise kann auch bei Verletzungen helfen. Auch wenn diese dafür sorgen, dass man nun nicht mehr laufen gehen kann, kann man einen Rückschlag auch als Chance und Möglichkeit verstehen, dann eben andere Sportarten oder noch andere Beschäftigungen für sich auszutesten. Wer sich nur sklavisch an Regeln halte, mache sich die Lebensqualität kaputt. So solle man sich keine Verbote auferlegen, sondern auf das Maß achten.

Verbot der Verbote

So sieht es auch Professor Seppo Iso-Ahola von der Universität in Maryland, der in seinem Aufsatz zu dem Thema feststellt, dass Menschen, wenn sie abends von der Arbeit nach Hause kommen, meistens das erste Mal am Tag das Gefühl haben, dass sie selbst entscheiden könnten, was sie tun. Da würden Regeln wie „Du musst jetzt mindestens eine Stunde laufen gehen“ die Gemütslage negativ beeinflussen. Zu dem Verbot der Verbote passt auch eine Studie der Universität von Chicago. Dort haben Wissenschaftler festgestellt, dass nur Spaß an der Sache auch dafür sorgt, dass man sich an ein Vorhaben hält – dass Freude mehr Gewicht hat als die objektive Tatsache, dass etwas eindeutig wichtig ist.

Erst wenn wir also Spaß am Sport empfinden, halten wir uns auch an einen intensiveren Fitnessplan. Nur der Fakt, dass es gut für die Gesundheit ist, mehr Sporteinheiten in der Woche unterzubringen, reicht da nicht aus.

Persönliche Ziele

Der gute Vorsatz oder das Ziel ist also bestenfalls für einen selbst persönlich bedeutsam und erreichbar, damit sich Spaß überhaupt erst entwickeln kann. Führen Sie dafür ein Gespräch mit sich selbst, anstatt nette Ratschläge oder Druck von außen auf sich zu laden. Und wenn die erste Antwort auf die Frage, warum ich mir diesen Vorsatz ausgesucht habe, eher allgemein ist – also zum Beispiel, dass fitte Menschen gesünder sind, versuchen Sie, diese allgemeingültigen Weisheiten in etwas Persönliches zu verwandeln.

Wer immerzu müde ist, kann durch Laufeinheiten mehr Energie bekommen und dadurch für sich selbst die Lebensqualität verbessern. „Sich eigene Ziele zu setzen ist für das Umsetzen der Ziele entscheidend. Wenn eine Freundin erzählt, wie oft sie laufen war, dann sollte man nicht denken, ,Oh, das sollte ich auch unbedingt mal wieder tun‘, wenn man eigentlich lieber ganz in Ruhe Yoga macht“; sagt Schneider. Gleiches gelte für Ziele, die man sich nur setzt, weil die Gesellschaft es einem so vorlebt. Wenn man sich selbst nicht damit identifizieren könne, ist die Chance auf dauerhaftes Umsetzen verschwindend gering.

Doch auch wenn die Sportpläne im Freundeskreis grundverschieden sind, kann man sich trotzdem hervorragend gegenseitig motivieren. Denn auch über das persönliche Ziel mit einer Freundin zu reden und diese über die Fortschritte zu informieren, kann bei der Umsetzung hilfreich sein. Und niemand hindert einen natürlich daran, sich noch einmal andere Ziele zu setzen oder Ziele umzuformulieren. Das Umsetzen der guten Vorsätze kann dann als Erfolg bewertet werden, wenn sie in normale Lebensstandards übergehen, sodass man nicht mehr immerzu an sie denken muss und sie quasi unbewusst befolgt. Mit anderen Worten: wenn man seine Balance gefunden hat. Dann verwandelt sich der Vorsatz für ein Jahr in einen Plan für gleich mehrere Jahre – und wird zur positiven Gewohnheit.

Kerstin Börß

 

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Yoga mit Jasmin Brandt

Relax – just do it!

Die traditionsreiche indische Yoga-Lehre bringt Menschen jeglichen Alters -ungeahnte Beweglichkeit und eine -verbesserte körperliche Stabilität. Mentale Stärke und Ausgeglichenheit gibt’s gratis dazu. Na, wenn das mal nix ist.

Yoga ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die den Ausübenden zur Selbsterkenntnis führen soll. So weit, so gut. Das mag sich auf eine gewisse Weise „abgefahren“ anhören – in der Praxis ist es jedoch weniger esoterisch als vermutet und hat nichts mit in den ­Himmel auffahrenden Lichtstrahlen oder Ähnlichem zu tun. Mal abgesehen vom Eso-Touch passt Yoga gut in den aktuellen Zeitgeist. Achtsamkeit ist hip, dem ­eigenen Körper Gutes zu tun hat noch keinem geschadet. Ich habe Yoga tatsächlich das erste Mal in Zusammenhang mit dem Thema Laufen am eigenen Leibe erfahren dürfen.

Etwas länger zurückliegend, ich befand mich in meinen Zwanzigern, erzählte mir ein Freund, dass er sich dem Leben als Yogi verschrieben habe. Er beschrieb mir den ursprünglichen, spirituellen Charakter der einzelnen Übungen und die Ruhe, die er dadurch erfahren würde. Er hatte sich der Sache komplett verschrieben, reiste nach Indien, um von den Yoga-Pofis zu lernen. Damals habe ich das Thema schlichtweg nicht begriffen. Nicht, dass es mich nicht interessierte, ich verstand einfach das große Ganze dahinter nicht. Yoga war für mich lange etwas für Menschen, die im Bioladen einkaufen gehen, Ökos genannt werden und die sich mit ein paar „Oms“ im Schneidersitz mental für eine Weile aus dem Alltag schießen. Ein Schubladendenken ­allererster Güte, ich war jung, wäre meine Entschuldigung aus heutiger Sicht.

Für ein gutes Körpergefühl

Dann kam das Laufen und durch die ­intensivere Beschäftigung mit der Sportart, beruflich und privat, traf ich auf immer mehr Menschen, die Yoga ausübten. Auch in den Fitnessmagazinen wurde Yoga als Allheilmittel gegen Rückenschmerzen, innere Unruhe und vieles mehr angepriesen. „Yoga ist gleichzeitig ein Dehn- und Kräftigungsprogramm. Durch Yoga kommt es zur Dehnung von verkürzten Muskeln, und wir können dadurch Dysbalancen ausgleichen, die beispielsweise zu Rückenschmerzen führen können. Es kräftigt die Rumpfmuskulatur und verbessert die Balance“, erklärt die Sportwissenschaftlerin und Personal Trainerin Jasmin Brandt aus Köln.

Yoga trat als eine Art Fitnessübung schließlich auch in mein Leben. Und die Übungen sind anstrengend, meine Damen und Herren. Von Stufe zu Stufe fordert es den gesamten Körper mehr und mehr. Das bringt ein gutes Körpergefühl und macht tatsächlich Spaß. Die Momente, in denen ich Yoga zeitgleich als Mentaltraining nutze, sind noch mehr wert und vor allem nachhaltiger. Vergleichbar mit einem Power-Napping (kurzer Tiefschlaf) erholt sich der Körper dabei, es fühlt sich innerlich reinigend an. Und dies ist für jeden zu erreichen, egal welches Fitnesslevel, es bedarf nur etwas Geduld und Übung. „Neben den Trainingseffekten wie Kräftigung und Dehnung ist vor allem der Fokus auf die Atmung beim Yoga besonders.

Bei den Übungen atmen wir tief ein und aus – etwas, was wir im Alltag nicht häufig genug tun. Da atmen wir meist nur flach über die Brust“, so Personal Trainerin Jasmin Brandt. Wenn Sie sich für Yoga interessieren, sollten Sie sich vor Beginn damit beschäftigen, warum Sie es überhaupt ausprobieren möchten. Sollen die Übungen helfen zu entspannen, zu fordern, Rückenschmerzen zu lindern? Es gibt so viele verschiedene Yoga-Arten, da lohnt es sich, im Vorfeld das Thema einzugrenzen. Die Antworten darauf sollen helfen, den richtigen Lehrer zu finden und sich auf das richtige Ziel einzustimmen.

Und was bringt’s?

Gerade für Läufer ist es wichtig, regelmäßig Dehn- und Kräftigungsübungen durchzuführen, um Dysbalancen zu vermeiden und damit den klassischen Läuferbeschwerden und Krankheitsbildern vorzubeugen. Übungen aus dem Yoga kümmern sich genau um diese durch das Laufen verkürzten Muskeln, kräftigen zusätzlich die Bein- und Rumpfmuskulatur und stellen damit die perfekte Ergänzung zum Laufen dar. „Neben der Verletzungsprophylaxe kann Yoga auch den Laufstil verbessern. Durch eine gesteigerte Flexibilität, eine bessere Haltung und mehr Kraft laufen wir ökonomischer und werden schneller“, ergänzt Jasmin Brandt. Ein weiterer Benefit ist die regelmäßige, tiefe Atmung beim Yoga, die sich auch aufs Laufen übertragen lässt.

Ralf Kerkeling