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Group of Women Running Dirt Trail

(c) Getty Images

Problemzone Ferse

Egal ob Hobbysportlerin oder Profi – wer viel läuft, hat auch schon mal mit Fersenschmerzen zu tun. Eine der unangenehmsten -Erkrankungen, die den Läuferfuß heimsuchen können: die Plantarfasziitis. active woman gibt Tipps zur Vorbeugung.

Auf den ersten Metern der Joggingrunde schmerzt es plötzlich heftig an der Ferse. Während des Laufens wird es zunehmend besser. Doch schon beim Start zur nächsten Joggingeinheit treten die Schmerzen wieder auf und werden immer intensiver – besonders, wenn in den Lauf noch Sprints eingebaut werden. Von da an beschränken sich die Schmerzen längst nicht mehr auf die Sportphasen. Vor allem morgens nach dem Aufstehen werden die ersten Schritte zur Qual, bis der Fuß sich sozusagen eingelaufen hat. Im weiteren Verlauf der Erkrankung fängt die Ferse an , auch ohne Bewegung wehzutun. Die Diagnose hinter diesen Schmerzen ist zumeist eine Plantarfasziitis – eine Erkrankung der Plantarfaszie.

Die Plantarfaszie oder auch Plantarsehne kann man sich wie eine Sehnenplatte vorstellen, die von der Ferse bis zu den Zehen verläuft. Besonders für Läuferinnen und Läufer ist sie ein sehr wichtiger Teil des Fußes. Die Knochen des Fußes bilden bildlich gesprochen den Bogen eines Fachwerks, und die plantare Platte verbindet den Mittelfußknochen und das Fersenbein. Sie vervollständigt dabei diese Fachwerkstruktur – das Fußlängsgewölbe. Sie sorgt quasi dafür, dass der Bogen des Fußes bei Druck durch Bodenkontakt nicht zusammenfällt.

Natürlich wird das Längsgewölbe des Fußes noch durch andere Bänder und Sehnen gestützt. Doch die plantare Platte erfüllt neben all den anderen Sehnen eine ­besonders wichtige Funktion. Wenn der Druck auf die Plantarfaszie während des Bodenkontaktes zu hoch wird, kann sich die Sehnenplatte überdehnen und entzünden. Die Ausprägung der Krankheit unterscheidet sich dabei von Patient zu Patient. Oftmals ist im Ultraschall eine Verdickung der Plantarfaszie zu erkennen, doch die Erkrankung kann von einer Zerrung über Anrisse bis zu einem Riss variieren. Es muss also auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, um einen auf den Körper zugeschnittenen Heilungsprozess zu starten.

Geduldsprobe

Die Plantarfasziitis trifft Profiathleten genauso wie ambitionierte Hobbyläufer. Jens Nerkamp hatte eigentlich den ersten Marathon seiner Karriere fest im Blick, als ihm der Fersenschmerz einen Strich durch die Richtung machte. „Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes Mist an der Hacke“, beschrieb es der deutsche Langstreckenläufer auf seiner Homepage. Und das zu einem äußerst unpassenden Zeitpunkt. Im Mai 2017 musste Nerkamp seine Saison vorzeitig beenden, obwohl er eigentlich im Herbst sein Debüt auf der Marathondistanz geplant hatte.

Auch der US-amerikanische Läufer Ryan Hall wurde von der langwierigen und schmerzhaften Verletzung zurückgeworfen. Hall, der 2008 Zehnter im olympischen Marathon von Peking wurde, lief seinen schnellsten Marathon ebenfalls 2008 in London in einer Zeit von 2:06:17 Stunden, obwohl er 2011 in Boston in 2:04:58 Stunden eigentlich noch schneller unterwegs war. Bostoner Zeiten werden aber nicht für Rekorde anerkannt. Dann stoppten Fersenschmerzen seine herausragende Laufbahn. „Es grenzt fast an ein Wunder, dass mich das nicht schon früher heimgesucht hat, wenn man bedenkt, wie intensiv ich trainiert habe in den vergangenen Jahren“, äußerte sich Hall nach der Diagnose gegenüber der amerikanischen Lauf-Fachpresse.

Und was ihm bald klar wurde: Mehr als alles andere braucht es Geduld für den Heilungsprozess. „Das ist eine dieser Krankheiten, bei denen dich einer deiner Füße nervt und du dann das andere Bein bevorzugst. Dadurch habe ich jetzt zusätzlich Probleme in der rechten Oberschenkelmuskulatur“, schilderte der US-Amerikaner die Auswirkungen auf den gesamten Laufapparat. Eine Sache führte zur nächsten. 2011 traten die Sehnenprobleme das erste Mal bei Hall auf, 2016 beendete der in Flagstaff lebende Amerikaner im Alter von 33 Jahren seine Karriere, weil sich im Anschluss an die Plantarfasziitis immer weitere Verletzungen und Erkrankungen bei ihm einstellten.

Zusatzdiagnose Fersensporn

Zu viel Training, und das vorwiegend auf hartem, asphaltiertem Boden, kann eine Ursache für eine Plantarfasziitis sein. Hier ist besonders plötzliches Steigern der Laufintensität gefährlich. Es gilt also, das Pensum zum Wohle der Füße kontinuierlich zu steigern. Aber auch Übergewicht, Laufen mit abgenutzten, schlecht passenden Schuhen oder Fehlstellungen der Füße, vor allem Plattfüße, können die Erkrankung (mit-)verursachen. Neben dem exemplarischen Fersenschmerz weist auch eine erhöhte Druckempfindlichkeit der Sohle auf ein Problem an der Plantarsehne hin.

In manchen Fällen bildet sich infolge der Plantarfasziitis zusätzlich ein Fersensporn – ein dornartiger Knochenauswuchs am Fersenbein. Das heißt allerdings nicht im Umkehrschluss, dass alle Menschen mit Fersensporn auch unter solch einer Erkrankung leiden. Viele Fersensporne machen sich gar nicht schmerzend bemerkbar. Auch bei Nerkamp hatte sich zusätzlich ein Fersensporn gebildet. Sein Orthopäde entschloss sich dazu, das Krankheitsbild unter anderem mit einer Stoßwellentherapie zu behandeln und mit weichen Einlagen an der Ferse zu arbeiten. Auch Physiotherapie und Selbstmassage waren Teil der Behandlung. Bei anderen Patienten helfen Kühltherapien, Injektionen, entsprechende Tapes für den Fuß oder auch eine Operation und vor allem eine Laufpause.

So verschieden wie die Behandlungsmöglichkeiten ist auch die Dauer des Heilungsprozesses. Dieser kann sich von sechs Wochen bis zu einem Jahr hinziehen. Generell gilt es, bei anhaltenden Schmerzen im Fuß einen Arzt aufzusuchen, auch um andere Verletzungen wie einen Ermüdungsbruch, der ebenfalls mit zu viel Training verbunden sein kann, auszuschließen.

Massage zur Vorbeugung

Damit es gar nicht erst bis zu solch einem verordneten Laufverbot kommt, empfiehlt Physiotherapeutin Laura Molitor, der Erkrankung vorzubeugen. „Es ist besonders für Läuferinnen und Läufer wichtig, die Muskeln im Fuß zu stärken, den Fuß zu dehnen und zu massieren, quasi als Zusatztraining“, sagt Laura Molitor. Auch wenn in den meisten Fällen nur ein Fuß betroffen sei, sollte man sich bei den vorbeugenden Maßnahmen mit beiden Füßen beschäftigen. Dabei kann man sich feste Zeiten setzen, zu denen man sich um die Fußfitness kümmert. Eine simple, aber wirkungsvolle Übung sei zum Beispiel, die Füße über einen Igelball zu rollen. Auch das Kreisen des Fußes sei ein gutes Training.

„Und das Dehnen der Füße ist wichtig. Das heißt zum Beispiel, die Zehen nach vorne zu ziehen. Das kann man auch gut machen, indem man sich direkt vor eine Wand stellt. Während der restliche Fuß auf dem Boden bleibt, drücken die Zehen gegen die Wand“, erklärt die Physiotherapeutin. Ganz wichtig und sehr angenehm sei es auch, sich selbst zu massieren und die Muskulatur auszustreichen. Dabei kann man mit beiden Händen bei den Zehen beginnen und sich bis zum Fußende durcharbeiten. Neben dem direkten Behandeln des Fußes sollte man zusätzlich die Waden trainieren. Dafür kann man sich mit den Zehen und dem Fußballen auf eine Stufe stellen. Dann senkt man die Fersen ab und drückt sich dann mithilfe der Kraft der Waden in die Höhe, bis man auf den Zehenspitzen steht. Etwas vereinfacht funktioniert das auch ohne eine Stufe, indem man sich auf die Zehenspitzen stellt.

Kerstin Börß