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Das Team der Tutima

Der Erfolg ist pink

Das stets in pink gekleidete Frauenteam der Segelyacht Tutima ist der bunte Hund der Offshore-Szene. Bei der Kieler Woche und den anschließenden Segelweltmeisterschaften in Kopenhagen wollen die Mädels wieder ganz vorne mit dabei sein.

„Es ist gut, dass es endlich wieder losgeht.“ Kirsten Harmstorf gibt sich erst gar keine Mühe, abgeklärt zu erscheinen. Denn Tatsache ist, dass die Skipperin der Tutima den Saisonstart kaum erwarten kann. Von April bis Ende September werden sie und ihre Mädels wieder jedes Wochenende auf dem Wasser sein. Entweder um an einer Regatta teilzunehmen oder um zu trainieren, wie z.B. für die Kieler Woche oder die Segelweltmeisterschaften im Juli in Kopenhagen. Natürlich gehe fast ihr gesamter Jahresurlaub für den Segelsport drauf, sagt die Versicherungsmaklerin für Seeschiffe fröhlich. „Und das ist genau das, was ich will. Segeln ist mein Leben.“
Seit 2009 hat Kirsten Harmstorf das Kommando auf der Tutima, einer sogenannten dk46. Die 14 Meter lange Rennyacht segelt im Offshore-Bereich. Hierbei treten unterschiedliche Schiffstypen gegeneinander an. Die Tutima segelt in der größten Gruppe. Eine klassische Männerdomäne. Üblicherweise besteht eine Crew für ein Boot dieser Größe aus 12 Mitgliedern – und in der Regel sind es fast ausschließlich Männer. Die Crew der Tutima besteht aus 15 Frauen. Einige Positionen werden von zwei Crew-Mitgliedern besetzt. „Das Segeln auf einer Yacht dieser Größe ist enorm kräftezehrend“, erklärt die 43-Jährige, die bereits früher mit einem Frauenteam gesegelt ist  – allerdings auf einem kleineren Boot. „Um ganz vorne mitzumischen, brauchen wir einfach ein paar Hände mehr.“

Der bunte Hund der Szene

2009 hatte der langjährige Sponsor Tutima die Rennyacht gekauft. Eine neue Crew sollte an den Start gehen und der Uhrenhersteller entschied sich bewusst für Skipperin Kirstin Harmstorf, die sich in der Offshore-Szene bereits einen Namen gemacht hatte, und eine Frauen-Crew, die auch durch ihr pinkfarbenes Outfit auffallen sollte. Und mit den Erfolgen kann der Sponsor und Eigentümer der Yacht durchaus zufrieden sein. So belegte 2015 die Tutima Crew bei der Kieler Woche den dritten Platz, bei den Europameisterschaften Platz 9 von 28 Booten und bei der Schifffahrtsregatta den ersten Platz. 2014 freute sich die Crew über Platz 2 bei der Nordseewoche und Platz 15 (von 27 Booten) bei den Weltmeisterschaften. „Wir haben eine welt- und europameisterschaftserprobte Crew und sind begeistert über die starke Performance auf dem Wasser“, sagt auch Tutima-Marketingleiterin Ute Delecate.
Und die Tutima-Mädels erregen Aufmerksamkeit. „Klar, wir sind schon so etwas wie der bunte Hund“, lacht Kirsten Harmstorf, „aber ich denke, wir fallen auch deshalb auf, weil wir immer so gut gelaunt sind.“ Der Teamgeist muss stimmen, lautet ihre Devise. Zwar hat sie das letzte Wort, doch Entscheidungen lässt sie am liebsten demokratisch treffen. 15 Frauen gehören zur Stammbesetzung der Tutima. Zum erweiterten Crewpool gehören circa 15 weitere Seglerinnen, die dann einspringen, wenn eine aus der Crew ausfällt. „Wir haben sehr viele Bewerberinnen. Und nach einem Probetraining entscheiden wir gemeinsam: Passt sie zu uns? Denn nur dann funktioniert es. Wir haben zwar immer sehr viel Spaß, aber wir sind auch sehr ehrgeizig.“ Dazu gehört auch, dass die Crew perfekt organisiert ist. Jedes Teammitglied hat eine Zusatzaufgabe. Die eine verstaut die Segel, die andere organisiert die Unterkünfte bei den mehrtägigen Regatten und wieder eine andere sorgt dafür, dass 15 Frauen am Abend einen Tisch im Restaurant finden. „Anders geht es nicht“, versichert die Skipperin.

Der Teamgeist stimmt

Von der besonderen Atmosphäre und dem Teamgeist schwärmt auch Ariadna Velazquez, die auf der Tutima die Position Spinnaker-Grinder besetzt. Die gebürtige Mexikanerin gehört erst seit einem Jahr zur Stammbesetzung der Tutima. Zuvor segelte sie auf dem Schwesterschiff im Mittelmeer in einer internationalen Crew. Mit der Tutima verbindet sie ihre eigene Geschichte. „Vor ein paar Jahren war ich bei der Kieler Woche. Ein Freund zeigte mir drei pinkfarben gekleidete Mädels und sagte, das sind die Tutima-Girls. Ich dachte, wie cool.“ Trotzdem war es dann eher Zufall, dass die 37-jährige Grafik-Designerin dann auf der Tutima landete. Mit einer Frauencrew hatte Ariadna Velazquez schon Erfahrung – und zwar in Mexiko. „Da waren wir die absoluten Exoten, denn in Mexiko spielt Segelsport überhaupt keine Rolle.“ Dass es auf der Tutima so gut läuft, liegt für sie aber nicht daran, dass es ein Frauenteam ist, sondern am Team selbst. „Es stimmt einfach alles zwischen uns.“
Das sieht auch Laila Engler so, die am Anfang größte Vorbehalte gegen das Frauen-Boot hatte. 2010 erhielt die damals 21-Jährige das Angebot, kurzfristig bei den Weltmeisterschaften auf der Tutima mitzusegeln. „Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass so ein Frauenteam funktioniert. Bis dahin hatte ich nur Erfahrung mit Crews, in denen es ein oder manchmal zwei Frauen gab.“ Trotzdem ließ sie sich auf ein Probetraining ein und schwärmt noch heute davon. „Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war unglaublich beeindruckend. 30 Hände haben in einer Sekunde ein perfektes Manöver gemacht. Ich hatte richtig Gänsehaut.“ Seitdem trägt Laila Engler aus Überzeugung die Farbe der Crew. „Dieses Pink war für mich am Anfang ein echter Schock“, lacht die Wirtschaftsingenieurin, „aber mittlerweile trage ich zur Erheiterung meiner Familie sogar pinkfarbene Socken.“
Für Laila Engler – Position Großsegeltrimmerin, Navigatorin und Co-Skipperin für Kirsten Harmstorf – ist aber auch die Konstellation auf der Tutima ein Glücksfall. „Oft ist es ja so, dass der Eigner der Skipper ist und eigene Leute dabei hat. Dann sind da noch Segler wie wir an Bord. Und das Verhältnis zwischen Profis und Amateuren kann schwierig sein. Auf der Tutima haben wir alle die gleiche Einstellung und wir ziehen an einem Strang. Ich denke, auch deshalb sind wir so erfolgreich.“
Und vielleicht können die Tutima-Frauen auch gar nicht anders. Die meisten haben schon als Kind Segelluft geschnuppert oder haben ein ganz besonders Verhältnis zum Wasser wie Laila Engler. Als Baby schaukelte sie in einer Hängematte auf Deck und unter Deck konnte sie durch ein Plexiglasfenster, das ihr Vater für sie eingebaut hatte, immer aufs Wasser schauen. „So ein Gefühl und eine Verbundenheit verliert man nicht mehr und das kann einem auch niemand nehmen.“ Auch Kirsten Harmstorfs Eltern nahmen sie schon früh mit zum Segeln. Sie selbst stieg dann aber erst mit 18 in den Regattasport ein – dafür jedoch umso leidenschaftlicher. „Ich kann mir nicht vorstellen, damit irgendwann aufzuhören. Das Segeln gehört zu mir und bedeutet mir alles.“

 

Reiten und Yoga

Yoga und Reiten

Von der Yogamatte aufs Pferd? Was ungewöhnlich klingt, bietet jetzt ein Hotel am Chiemsee an. Reitlehrerin Sonja Will und der Yogalehrerin Selina Krämer erklären im Interview die Symbiose aus Yoga und Reiten.

Was muss ich mir unter Yoga und Reiten vorstellen, etwa Yogaübungen während des Reitens?

Sonja Will: Keine Angst, niemand muss sein Yogakönnen auf dem Rücken des Pferdes unter Beweis stellen. Und das Pferd selbst macht auch kein Yoga.

Selina Krämer: Yoga und Reiten wechseln sich ab. Wir starten morgens mit Yoga, mittags oder am Nachmittag folgt eine Reit-Einheit und am Abend gibt es zum Ausklang des Tages nochmals eine Yoga-Einheit. In der Zwischenzeit haben die Gäste Zeit für Wellness, Entspannung, Natur und den Austausch mit den anderen Reitern.

Handelt es sich um Yoga-Übungen, die eigens auf den beim Reiten belasteten Bewegungsapparat abgestimmt sind?

Selina Krämer: Die Yogaübungen sind sowohl auf die Voraussetzungen der Teilnehmer ausgerichtet, als auch auf das Reiten in seinem emotionalen, mentalen und körperlichen Bereich. Ruhe, ein entspannter, beweglicher Körper und eine ruhige Atmung trotz Anstrengung werden beim Yoga geübt. Das alles brauchen wir auch beim Reiten. Achtsamkeit und Körperbewusstsein, welches beides wichtig ist für die Beziehung und sensible Kommunikation zwischen Reiter und Pferd, werden durch die Yogakurse geschult und gestärkt.

Sonja Will: Ergänzend ist zu sagen, dass wir am Ende auch immer konstruktive Gespräche mit den Teilnehmern führen, so dass wir deren Feedback zu den Einheiten entsprechend auswerten und gegebenenfalls umsetzen können.

Wurden die Übungen speziell entwickelt oder handelt es sich um „klassische“ Übungen/Stellungen?

Selina Krämer: Es handelt sich um klassische Übungen, die in die Bereiche Asana – körperliche Herausforderung und Entspannung, Pranayama – Atemtechniken und Atemkonzentration und Meditation – Konzentration und Innehalten unterteilt sind. Wir werden uns in den Bereichen Asana vor allem auf die Stellen konzentrieren, die die Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit beim Reiten besonders beanspruchen.

Warum eignet sich die Verbindung von Yoga und Reitsport so gut?

Sonja Will: Ein eingespieltes Team von Reiter und Pferd besticht durch sein harmonisches Zusammenspiel. Dieses entsteht durch das Verständnis und die Verbindung zwischen Mensch und Tier. Yoga hilft durch verbesserte mentale und körperliche Fähigkeiten, eine viel angenehmere, einfachere und effektivere Kommunikation mit dem Pferd zu führen.

Eignet sich Yoga & Reiten für alle Reitdisziplinen?

Sonja Will: Ja, es wird auch wahlweise Springen und Dressur sowohl mit dem eigenen als auch mit einem Schulpferd angeboten. Einsteiger sind bei Yoga & Reiten genauso willkommen wie Fortgeschrittene und entsprechend sind die jeweiligen Einheiten auch auf die Niveaus der Teilnehmer sowie die verschiedenen Disziplinen abgestimmt.

Ist es egal, welche Pferderasse ich reite?

Sonja Will: Ja, ist es. Ein Pferd ist ein Pferd, egal welche Rasse und ob es sich um ein Turnier- oder Freizeitpferd handelt.

Kann ich bei meinem Pferd eine Veränderung feststellen, wenn ich Yoga mit Reiten verbinde? Spürt es zum Beispiel meine Hilfen schneller?

Sonja Will: Ein Reiter, der zentrierter und ausgeglichener ist, spürt sich selbst bewusster. Das führt auch dazu, dass er mit seinem Tier feiner, bestimmter und direkter kommuniziert.

Kontakt: Weitere Informationen zum Angebot und Buchung unter: http://www.gut-ising.de/sport-freizeit-events/eventkalender/details/events/topkurs-yoga-reiten-2016.html

 

 

Spezielles Rad für Frauen

Bikes mit Frauenpower

Wer auf der Suche nach einem neuen Rad für Sport und Fitness ist, kann sich jetzt eines „speziell für Frauen“ zulegen. Immer mehr Hersteller bieten Lady-Bikes an. Doch Moment mal: Gab es Damenräder nicht schon immer? Was hinter dem Trend steckt.

Bei Stadtfahrrädern wie dem klassischen Hollandrad oder bei Tourenrädern gab es sie schon immer: „Herrenräder“ und „Damenräder“. Herrenräder kommen „mit Stange“ daher („Diamantrahmen“, so genannt wegen der Form), Damenräder „ohne Stange“ („Trapezrahmen“, auch wegen der Form) – also mit einem tiefen Einstieg. Auf diesen Rädern kann man zum einen auch mit Rock oder Mantel fahren, zum anderen ist das Rad im täglichen Gebrauch einfach bequemer.

Bei sportlichen Fahrrädern wie Mountainbikes, Rennrädern, Fitness- und Crossrädern dagegen boten Hersteller früher in der Regel nur ein Herrenrad an – mit besagtem Diamantrahmen. Grund dafür: Der Herrenrahmen ist stabiler als die Damenvariante. Im Stadtverkehr gibt es beide, weil das dort nicht ins Gewicht fällt, im sportlichen Einsatz macht das allerdings schon etwas aus. Wollten sich Frauen also bislang ein sportliches Bike zulegen, blieb ihnen meist nichts anderes als der Griff zu der kleinsten Herrengröße übrig. Nachteil: So richtig gut „passte“ das Herrenrad dann eben nicht.

Inzwischen entdecken die Hersteller von sportlichen Fahrrädern aber auch die Frauen zunehmend als Zielgruppe und bieten spezielle Lady-Bike-Modelle an. Schließlich interessieren sich immer mehr Frauen für sportliches Biken – ob mit dem Partner oder auch alleine bzw. gemeinsam mit anderen Frauen.

Was spezielle Lady-Bikes auszeichnet

Bei den neuen sportlichen Frauenrädern wird das „Gesamtpaket Rad“ speziell für die Wünsche und auf die Bedürfnisse von Frauen maßgeschneidert, damit sich Frauen auf dem Rad wohler und sicher fühlen. Denn nur dann hat man auf Dauer Spaß beim Biken. Diese Faktoren tragen dazu: 

  • Die speziellen Frauenräder setzen weiterhin auf den Diamantrahmen als stabilere Rahmenform. Doch die Hersteller optimieren die Form so, dass sie der weiblichen Figur und dem weiblichen Fahrverhalten entgegenkommt. Das heißt: Der Rahmen ist nicht nur einfach eine Nummer kleiner, sondern sieht auch erkennbar anders aus. Das Oberrohr – die „Stange“ – ist oft abgesenkt oder so geschwungen, dass die so genannte „Überstandshöhe“ kleiner wird, man also beim Stopp mit beiden Füßen auf dem Boden stehen kann, ohne dass die Stange stört.
  • Frauen sind meist kleiner, haben kürzere Arme und Beine und kleinere Hände als Männer. Oft sitzen Frauen auch lieber etwas aufrechter auf dem Rad, nicht so gestreckt. Das berücksichtigen Hersteller bei ihren Lady-Bikes: Der Abstand zwischen Sattel und Lenker ist bei Rädern speziell für Frauen meist ein wenig kürzer als bei Männerrädern. Das Steuerrohr (dort, wo der Lenker sitzt) ist etwas höher und damit auch der Lenker. Insgesamt ergibt das eine entspanntere, aufrechtere Sitzposition.
  • Anbauteile. Damit man sich beim Fahren wohl und sicher fühlt, muss auch die Bedienung stimmen. Deshalb sind Anbauteile wie Sattel oder Lenker- und Bremsgriffe bei einem guten Frauenrad ebenfalls auf die weibliche Anatomie abgestimmt. Bei sportlichen Rädern war das früher – anders als bei Stadträdern in der Damenversion – nicht so. Wenn man einen Damensattel wollte, musste man den separat kaufen und dann austauschen. Heute ist der Sattel beim sportlichen Lady-Bike von vorneherein etwas breiter und anders geformt als ein Männersattel, weil die Sitzknochen bei Frauen weiter auseinander stehen als bei Männern. Lenkergriffe sind für kleinere Hände angepasst, Bremsgriffe sind einstellbar und so geformt, dass sie auch mit kleineren Händen gut erreicht werden können.
  • Technik. Im Gegensatz zu Männern wollen Frauen oft nicht den allerneuesten Schnickschnack, sondern einfach Spaß am Radfahren haben. Deshalb werden in Frauenrädern meistens technische Komponenten verbaut, die zuverlässig und problemlos funktionieren und an denen nicht dauernd herumgeschraubt werden muss. Dazu gehören wartungsarme Schaltungen oder Scheibenbremsen (bremsen auch mit wenig Handkraft wirkungsvoll, müssen nicht nachgestellt werden). Nachteil: Solche Teile sind oft auch teurer.
  • Optik. Oft sind Fahrräder für Frauen auch optisch ein Hingucker: Statt wie bei Männerrädern die Technik in den Vordergrund zu stellen, glänzen viele Räder für Frauen durch harmonische Farben und Formen.

Wie man Räder für Frauen erkennt

Bereits vor über einem Jahrzehnt hat sich der Hersteller Specialized der Entwicklung frauenspezifischer Produkte verschrieben und bringt Rennräder, Mountainbikes, Fitnessräder und das dazugehörige Equipment speziell für Frauen auf den Markt – inspiriert von leidenschaftlichen Frauen, die das Biken lieben. Auch Radhersteller Trek sieht sich in der Verpflichtung, „jeder Fahrerin ein Bike mit perfekter Passform und perfektem Fahrverhalten zu bieten.“

Viele Hersteller haben eigene Programme entwickelt, die als Label für die Frauenräder fungieren und zum Modellnamen gestellt werden – z.B. WSD (Women’s Specific Design) beim Hersteller Trek, WLS (Woman Like Series) bei Cube und WMN bei Canyon. Solche Abkürzungen signalisieren den Käuferinnen, dass sie es hier mit einem für Frauen maßgeschneiderten Rad zu tun haben.

Eine relativ neue Radsportmarke, die sich speziell an Radfahrerinnen richtet, ist Liv. Dahinter steckt der Radhersteller Giant, der mit dieser Strategie den hohen Stellenwert frauenfreundlicher Räder – im City- wie im sportlichen Bereich – unterstreicht. Hinter der Marke steht ein Frauen-Team, dessen Ziel es ist, Frauen das bestmögliche Erlebnis auf dem Rad zu bieten: „Wir glauben, dass Frauen durch das Radfahren ihre Grenzen erweitern und in sich selbst neue Möglichkeiten entdecken können. Um den Radsport zugänglicher und attraktiver zu machen, setzen wir alles daran, das beste frauenspezifische Material zu entwickeln“, heißt es bei Liv.

Highlights

Für die neue Saison gibt es bei sportlichen Fahrrädern für aktive Frauen zahlreiche Highlights: So erweitert das Unternehmen Carver sein Angebot an speziellen Mountainbikes für Frauen. Die neue Lady-Serie umfasst sechs verschiedene Modelle sowie ein Mountainbike mit Motor. Auch der Hersteller Canyon hat die weibliche Zielgruppe für sich entdeckt: Im vergangenen Jahr wurde das erste speziell für Frauen konzipierte Fitnessbike vorgestellt, weitere spezielle Frauenbikes im Bereich Road und Mountainbike sind geplant.   Silke Bruns

 

Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche

Auf dem Öko-Weg

Grenzenlose Freiheit, Abenteuerlust oder sportliche Herausforderung gepaart mit Nachhaltigkeit

Immer mehr Menschen suchen und finden genau das in der Natur. Nachhaltigkeit ist für Outdoor-Fans deshalb ein wichtiges Thema. Und die Hersteller reagieren darauf: Mit hohen sozialen und ökologischen Standards übernehmen sie in der Textilbranche eine Vorreiterrolle.

Kleidung wird heute vor allem in asiatischen und südamerikanischen Ländern günstig produziert. Das gilt nicht nur für Jeans und T-Shirts, sondern auch für High Tech- und Funktionskleidung. Doch Berichte über die Arbeitsbedingungen in den weit von uns entfernten Textilfabriken lassen die neue Outdoor-Jacke in einem anderen Licht erscheinen. Viele Outdoor-Hersteller haben sich daher der Fair Wear Foundation (FWF) angeschlossen, die eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie zum Ziel hat.

Dafür hat die Non-Profit-Organisation acht grundlegende Arbeitsrichtlinien festgelegt.

Dies sind: Keine Zwangsarbeit, keine Diskriminierung am Arbeitsplatz, keine Kinderarbeit, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf kollektive Verhandlungen, existenzsichernde Löhne, keine überlangen Arbeitszeiten, ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld und ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis. Hersteller, die mit der FWF zusammenarbeiten, halten diese Grundsätze ein – die Mitgliedschaft in der FWF bestätigt das und wirkt damit nach außen wie ein Gütesiegel.

Angekündigte Maßnahmen zur Verbesserung einzelner Richtlinien werden von der FWF kontrolliert. Mitglied in der FairWear Foundation sind unter anderem Deuter, Haglöfs, Jack Wolfskin, Maier Sports, Mammut, Mountain Equipment, Odlo, Schöffel, Switcher, Salewa und Vaude. www.fairwear.org

bluesign – Garantie für höchste Umweltstandards

Wie können Verbraucher sicher sein, dass eine Jacke oder eine Hose tatsächlich nachhaltig – also umwelt- und ressourcenschonend – gefertigt wurde? Dazu müssen alle Produktionsschritte sowie alle verwendeten Materialien und Substanzen bekannt sein und festgelegten Umweltstandards entsprechen. Das Schweizer Unternehmen bluesign technologies hat strenge Kriterien entwickelt, die das garantieren.

Sogenannte bluesign-Systempartner verpflichten sich in einem Vertrag, nach den strengen bluesign-Kriterien zu produzieren. „DieUmstellung ist für die Unternehmen nicht leicht und er Dichfordert Zeit und auch ein finanzielles Investment“, erklärt Peter Waeber, CEObluesign technologies. Für jedes Unternehmen werden eigene Ziele definiert (z.B. Verzicht auf bestimmte Chemikalien, Umstellung auf umweltfreundliche Technologien, Zeitrahmen).

Die Einhaltung der Ziele in der Umsetzung wird von bluesign technologies kontrolliert. EinzelneProdukte,die durchgängig nach bluesign-Kriterien hergestellt wurden, können mit dem „bluesign product“-Label beworben werden – ein Label, das sich zunehmend in Jacken und Hosen der Outdoor- Hersteller findet. Das „bluesign product“-Label garantiert zwar strengste Umweltstandards, dennoch sieht sich bluesign technologies nicht als Öko-Zertifizierungsstelle.

„Wir sind in erster Linie ein Service- unternehmen, das anderen Unternehmen hilft, ihre Produkte sicher herzustellen“, sagt PeterWaeber. Zu den bluesign Systempartnern zählen u.a. Bergans, Deuter, Haglöfs, Helly Hansen, JackWolfskin,Mammut,Marmot, Mountain Hardwear, Patagonia, Salewa, Schöffel, The North Face, Petzl, Klättermusen, Houdini, Isbjörn, Thule, Vaude und XD Apparel. www.bluesign.com

Weg von schädlichen Chemikalien

Lange Zeit galt PFC als eine Art Wunderstoff, fast jeder Hersteller setzt zur Beschichtung von wasserabweisender Kleidung darauf. Das kommt nicht von ungefähr: Die per- und polyfluorierten Chemikalien sind äußerst wasser-, fettund schmutzabweisend – weisen also genau die Eigenschaften auf, die Outdoor- Fans schätzen. Tatsächlich enthält die meiste sogenannte DWR-Ausrüstung (Durable Water Repellent) PFC. Dass die Outdoor-Hersteller inzwischen mit Hochdruck an einem Ersatzstoff arbeiten, liegt an den seit einiger Zeit bekannten „Nebenwirkungen“ von PFC. Die Fluor- Kohlenstoff-Bindung gilt mittlerweile als äußerst problematisch, da sie sehr stabil ist und die Stoffe in der Umwelt nicht abgebaut werden.

Die am stärksten kritisierte Substanz unter den PFC heißt PFOA(Perfluoroctansäure). Dieser Stoff kommt in der Natur nicht vor, wurde aber selbst in der Antarktis bereits nachgewiesen. Die Substanz ist giftig, reichert sich imKörper an, ohne sich wieder abzubauen, und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Den Herstellern ist die Umweltproblematik durchaus bewusst.Viele bemühen sich schon länger um den PFC-Ausstieg und suchen nach umweltfreundlichen Alternativen. Doch dies scheint schwierig.

Was den Abperleffekt und die Dichfordert tigkeit betrifft, können die Ersatzstoffe mit PFC offenbar (noch) nicht mithalten. Dennoch hat sich viel getan. Die meistenHersteller haben den Anteil der PFC-haltigen Kleidungstücke deutlich reduziert und setzen als Zwischenschritt auf eine weniger gefährlicheFluorchemie.Umdas gefährliche PFOA zu vermeiden, verwenden sie statt der sogenannten C8 Chemie nun die C6 Chemie, die kein PFOA enthält. Ziel ist es aber, künftig auch die – und damit alle PFC – zu vermeiden.

Welche Anstrengungen die Hersteller und großen Marken zurzeit unternehmen und was sie bereits erreicht haben – fünf Beispiele:

Fjällräven


Traditionell setzt das Unternehmen auf eine Imprägnierung mit Wachs. Bei Hard-Shell- Produkten wird mittlerweile komplett auf eine PFC-haltige Imprägnierung verzichtet. Fjällräven garantiert eine fluorocarbonfreie Imprägnierung und setzt zudem auf ein selbstentwickeltes, recyclebares Eco-Shell Material.

Jack Wolfskin


2012 hatte Jack Wolfskin angekündigt, bis 2020 komplett aus der Fluorchemie aus zusteigen und somit PFC-frei zu werden. Um die Fortschritte imFluorchemie- Ausstieg besser nachvollziehen zu können, hat das Unternehmen seine Ziele auf der Roadmap „Wir gehen weiter“ definiert. So kann der Prozess etappenweise nachverfolgt und bewertet werden. Das Vorhaben, bis Dezember 2016 eine zu 50 Prozent PFC-freie Kollektion zu präsentieren, wurde bereits bis Winter 2014 umgesetzt. Die Sommerkollektion 2015 ist zu 75 Prozent PFC-frei.

Mammut


Das Schweizer Unternehmen hat den Einsatz der C8 Chemie gestoppt und setzt nun auf dieC6Chemie (ohne PFOA).Mammut sieht dies aber „keineswegs als Lösung, sondern als ersten Schritt auf dem Weg hin zum kompletten PFC-Ausstieg“, wie das Unternehmen auf seiner Homepage schreibt. „Die Suche nach PFC-freien Alternativen setzen wir deshalb mit Hochdruck fort.“

Schöffel


Seit der Sommerkollektion 2014 garantiert Schöffel eine PFOA-freie Kleidung. Das Unternehmen hat die Produktion auf die C6 Chemie umgestellt. Ab der Frühjahr/ Sommer Saison 2016 wird es jedoch erstmals Jacken und Hosen mit PFC-freier Imprägnierung geben. Ziel ist der komplette PFC-Ausstieg.

Vaude


87 Prozent der Vaude-Bekleidung tragen das Green Shape- Label. Mit dieser eigenen Bewertungsform hat sich Vaude eigene Umweltstandards gesetzt. Alle Green Shape-Produkte enthalten nur Stoffe und Materialien, die umweltschonend hergestellt. Ab der Winter-Kollektion 15/16 sind sie auch komplett PFC-frei. Seit 2014 verzichtet Vaude auf PFOA (C8 Chemie).Weiterhin eingesetzt wird jedoch vor allem für wasserdichte Bekleidung die C6 Chemie. Bis 2020 will Vaude komplett PFC-frei sein.

FAZIT

Die Aussichten mit einem ökologisch guten Gewissen die Natur zu genießen, sind gut. Und: Nachhaltige Outdoor-Produkte gibt es schon jetzt. Es lohnt sich, auf den Seiten der Hersteller zu stöbern oder in den Stores konkret danach zu fragen.

Die PET-Flasche wird zur Jacke

Polartec-Materialien finden sich in vielen Outdoor-Kleidungsstücken. Jetzt hat das Unternehmen die milliardste Flasche recycelt. Bereits 1993 begann Polartec mit der Herstellung von recycelten Stoffen. Die Technologie war damals noch in den Kinderschuhen. Die ersten Materialien waren kratzig, die Farben wenig ansprechend und die Nachfrage entsprechend gering. Im Jahr 2009 lag der Recyclinganteil immerhin bei 30 Prozent. 2010 präsentierte Polartec Repreve 100, ein Garn, das zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen besteht und sich in der Qualität nicht mehr von neuem Polyestergarn unterscheidet. Heute verarbeiten viele Marken Polartec Stoffe aus Repreve 100 – darunter Eider, Millet, Montane, Mountain Equipment, The North Face, Ternua und Vaude.

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