Category : news

Laughing girl applying moisturizing cream on her face. Photo of

Vegane Beauty-Produkte: Try Green

In der heutigen Zeit sind vegane Beauty-Produkte nicht mehr wegzudenken. Ein Herz für Tiere zu haben, bedeutet auch, dass Tierversuche nicht unterstützt werden sollten. Vegan bedeutet vor allem: tierfreie Inhaltsstoffe.

Fischschuppen, Gelatine, Tierhaare, Horn aus Tierhufen, Teile von Quallen. Dinge, die keiner von uns essen würde, die sich die meisten Verbraucher jedoch auf den Körper und ins Gesicht schmieren. Kaum zu glauben, wenn man sich darüber Gedanken macht, jedoch sind all diese Stoffe in handelsüblichen Beauty-Produkten enthalten.

Der Trend zum Veganen und gegen Tierversuche zu sein, also die Einstellung der Menschen, dass Tiere nicht länger gequält und ausgebeutet werden dürfen, festigt sich seit Jahren und Stars wie Stella McCartney und Alicia Silverstone essen nicht nur vegan, sondern kleiden sich auch ausschließlich in Kunstmaterialien statt in Leder oder Pelz. Besonders die Promis tragen natürlich dazu bei, dass der Trend zum tierlosen Lifestyle geht.

Was genau ist vegane Kosmetik?

Bei veganer Kosmetik wird komplett auf tierische Inhaltsstoffe verzichtet. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass vegane Kosmetikprodukte gänzlich ohne Tierversuche hergestellt werden. Der Begriff vegan ist nicht geschützt oder durch den Gesetzgeber klar definiert. Wer also vegane und tierversuchsfreie Kosmetik kaufen möchte, der muss sich bei der Wahl des richtigen Produktes vorher informieren, ob dieses „nur“ vegan ist oder auch tierversuchsfrei. Bei veganer Kosmetik sind auch Extrakte wie Milch, Honig oder Bienenwachs als Inhaltsstoffe in den Beauty-Produkten nicht erlaubt.

Der Grund, warum vegan nicht zwingend nur natürliche Inhaltsstoffe bedeutet, obwohl in Deutschland seit 2013 Tierversuche für Kosmetik verboten sind, ist, dass Hersteller durch Verlagerung der Produktion, zum Beispiel nach China, oder durch Zulieferer Wege finden, doch Stoffe in ihre Produkte einfließen zu lassen, die an Tieren getestet wurden. Ob ein Produkt vegan ist, lässt sich am einfachsten am jeweiligen Gütesiegel auf dem Etikett erkennen: Das Blumenlogo der „Vegan Society“ deutet auf vegane Produkte hin und auch das „BDIH-Siegel“ gibt grünes Licht für tierfreie Kosmetik. Wer zusätzlich noch darauf achten möchte, dass ohne Tierversuche produziert wurde, der kann sich auf der PETA-Homepage auf einer Liste, die viele solcher Marken listet, informieren.

Vorsicht statt Nachsicht

Viele Verbrauchen denken, dass vegane Beauty-Produkte besonders gut für die Haut sind, da sie nur aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen. Dem ist leider nicht so. Auch Pflanzen können Kontaktallergene enthalten, worauf die Haut reagiert. Juckreiz und Ausschlag können die Folgen sein. Wie bei allen Produkten können vegane Cremes und auch Schminke erst an Hautstellen getestet werden, die nicht so empfindlich sind, wie die Gesichtshaut. Geben Sie dazu ein wenig des Produktes auf eine nicht sichtbare Hautpartie wie zum Beispiel den Arm und warten Sie ab. Zeigt sich nach zwei bis drei Tagen keine Veränderung des jeweiligen Areals, so können Sie das Produkt auch problemlos im Gesicht anwenden.

Riesige Produktauswahl

Mittlerweile gibt es dank der veganen Welle alles, was das grüne Herz begehrt. Make-up, Haar- und Körperprodukte, Zahnpasta, Wimperntusche und natürlich Cremes in allen Varianten. Allein die Liste von PETA, die alle geprüften Hersteller listet, die vegane und tierversuchsfreie Produkte verkauft, umfasst etwa 200 Firmen. Auch für den Sport gibt es viele Produkte, die sich gut einen: Ein Make-up, das durchs Schwitzen nicht verschmiert, und wasserfeste Wimperntuschen, die trotzdem einen tollen Augenaufschlag zaubern, haben fast alle Hersteller im Sortiment.

Sich vegan aufzuhübschen und zu pflegen ist also problemlos möglich!

Lara Wassermann

Laufen im Herbst

Keine Ausreden

Die Hitze des Sommers ist vorbei, der Schnee und das Eis des Winters lassen noch auf sich warten. Lauftrainerin Susan Baumbach verrät uns, warum wir in diesem Herbst unbedingt die Laufschuhe schnüren sollten.

Es gibt keine bessere Jahreszeit als den Herbst, um mit dem Laufen zu beginnen. Allein mit diesem Satz wird man noch keinen Bewegungsmuffel von der bequemen Couch herunterbekommen – erst recht nicht bei Nieselregen und Kälte. Doch Lauftrainerin Susan Baumbach kann diese Worte mit zahlreichen Argumenten untermauern, sodass man schon beim Zuhören darüber nachdenkt, in welcher Kellerecke die Laufschuhe seit den letzten warmen Sommertagen ihr Dasein fristen, um möglichst bald wieder in sie hinein zuschlüpfen. „Besonders für Anfänger ist der Herbst die perfekte Zeit, mit dem Laufen zu starten“, sagt Baumbach, „man tut etwas für seine Gesundheit, indem man sich in dieser Zeit, in der es gedanklich so populär ist, zu Hause auf der Couch zu gammeln, regelmäßig an der frischen Luft bewegt.“ Dabei beschränkt sich der positive Effekt des Laufens aber nicht nur auf die direkte Zeit nach der Einheit. Denn wer im Herbst läuft, legt laut Lauf-und Personalcoach Baumbach Grundsteine für ein rundum sportliches Jahr. Die Neuoder Wiederstarter könnten so im Herbst das Laufen lernen und mit den ersten positiven Erfahrungen dann durch den Winter in das Frühjahr laufen. Sobald die Läuferinnen und Läufer dort angekommen sind, können sie mit ihrer bisher antrainierten Lauferfahrung bei den ersten Straßenrennen über fünf oder zehn Kilometer starten. Die ersten Schritte zum Ganzjahresläufer sind damit gemacht.

Einfach Dranbleiben

Weniger rund läuft das Laufjahr meistens für die Läufer, die im Frühjahr mit den ersten sonnig-warmen Tagen ihr neues Hobby starten oder intensivieren wollen. Die gebürtige Kölnerin Baumbach weiß aus ihren Erfahrungen als Lauftrainerin, dass es die Frühjahrs-Starterinnen viel schwerer haben, dauerhaft im Sport zu bleiben. „Sie laufen häufig bis September, vielleicht Oktober und hören dann auf, wenn es draußen mal ungemütlich ist. Das führt dazu, dass sie ihren Trainingsrhythmus verlieren, einen fett-faul-gefräßigen Herbst und Winter verbringen, schlechte Laune bekommen und sich selbst nicht leiden mögen, um dann im Frühjahr wieder gänzlich von vorne zu beginnen.“ Häufig beobachtet die Läuferin dieses Phänomen bei den Firmenlauftreffs, die sie gemeinsam mit ihrem Partner Gregor Adler betreut. „Wir starten in der Regel im März oder April und werden dann bis September gebucht. Dann … nichts mehr. Im Frühjahr beginnen wir mit allen Teilnehmern wieder von vorne. Das ist schade“, bedauert Baumbach. Durch diese lange Lücke im Laufjahr könnten die Teilnehmer nie lernen, den Sport zu einem festen Bestandteil ihres Alltags zu machen. Das teils harte Training und die Zeit, die sie in das Laufen investiert haben, sind damit erst einmal für die Katz. Wer aber durch Herbst und Winter läuft, trainiert nicht nur die Läuferbeine – auch der Rest des Körpers und vor allem die Seele profitieren von der Zeit an der frischen Luft. „Man geht mit ganz anderer Power durch diese Zeit. Das klassische Gefühl zur Weihnachtszeit, aufgeblasen und träge zu sein, bleibt aus, und den wohl häufigsten Neujahrsvorsatz‚ Sport zu treiben und gesünder zu leben, hat man schon vor dem 1. Januar umgesetzt“, sagt Baumbach, die in Wuppertal lebt und läuft.

Auch die sonst so übliche Gewichtszunahme die zu den kälteren Monaten bei vielen Menschen so sehr dazugehört wie Glühwein und Spekulatius im Advent, könne durch das Laufen vermieden werden. „Mit der Bewegung an der frischen Luft – gerade wenn die Luft kühler ist steigen das Bedürfnis nach und die Lust auf frische, gesunde Ernährung automatisch.“ So gerate man ganz plötzlich in einen Kreislauf, und zwar einen ausgesprochen gesunden. Und auch der Schokoladenriegel, der ei nem nach einem anstrengenden Tag im Büro beim abendlichen Einkauf kurz vor der Kasse so penetrant zuzuzwinkern scheint, kann eigentlich durch einen Lauf ersetz Teilwerden. So würden laut Baumbach, die nicht nur Lauftrainerin, sondern auch Mentalcoach und Ernährungsberaterin ist, die aeroben Belastungen – also zum Beispiel langsame Dauerläufe – die Menge an Serotonin im Körper erhöhen. „Und Serotonin, auch bekannt als das Glückshormon, macht dieses zufriedene, wohlige Gefühl. Wie Schokolade!“

Motivationshilfen für Zweiflerinnen

Trotz all dieser positiven Aspekte, die mit dem Laufen verbunden sind, findet man doch immer wieder den ein oder anderen Grund, der einen von der abendlichen Runde abhalten kann. Vielleicht war der Arbeitstag lang und anstrengend, draußen ist es nass und kalt, drinnen warm und gemütlich,

oder das Fernsehprogramm ist einfach zu verlockend. Da helfen nur ein paar Tricks, um diese Gedanken zu überlisten. Vielleicht reicht es schon, an die warme Dusche nach dem Laufen zu denken. Und besonders an das glückselige Gefühl, das sich dann einstellen wird. Wenn das nicht ausreicht, müssen Mitläuferinnen her. Susan empfiehlt, sich einer Gruppe anzuschließen, um sich gemeinsam durch die ersten Einheiten zu kämpfen und gegenseitig anzufeuern. „Das ist besonders in der dunklen Jahreszeit von Vorteil. Wenn es keine Straßenbeleuchtung gibt, ist das Laufen zu zweit oder zu mehreren doch gleich viel entspannter“, sagt die Gründerin vom Team Lauf-Freude und fügt hinzu: „Wir erleben dieses ganz besondere, herzliche und gegenseitig motivierende Miteinander in unseren Laufgruppen nahezu täglich live. Es wird zusammen geschwitzt, gearbeitet, aber eben auch viel gelacht, und alle geben sich gegenseitig Herzenswärme.“

Wer aber doch lieber Ziele mit sich selbst ausmacht, kann zum Beispiel ein Lauftagebuch führen und dabei auch notieren, wie viel Regen und Kälte man da gerade ausgehalten hat. So kann neben schnelleren Zeiten und längeren Läufen auch das Durchhaltevermögen als Erfolgserlebnis verbucht werden. Obwohl Baumbach das Laufen in Gruppen liebt und schon so einige ihrer Freunde durch das Verabreden mit ihr zum Laufen gebracht hat, nutzt auch sie persönlich ihr zum Beruf gemachtes Hobby als Auszeit für sich selbst. „Für sich alleine laufend kann man wunderbar den Alltag, Sorgen, Ängste, Stress, aber auch Wut und Ärger weglaufen beziehungsweise verarbeiten“, sagt die Trainerin. Wenn sie sich für den Lauf ohne Gruppe entscheidet, ist vom ersten Meter an absolute „Ich-Zeit“. Dann fallen ihr neue Ideen ein und sie findet Lösungen für Probleme, die zuvor unlösbar erschienen. „Laufen macht den Kopf frei, und danach ist wieder Raum für das Wesentliche, für Schönes und Positives“, formuliert Baumbach ihre Liebeserklärung ans Laufen. Besonders in der Herbstzeit, wenn es früher dunkel wird, sind solche positiven Gedanken essenziell. „Ich bin wacher, konzentrierter, habe mehr Lust auf das Leben im Allgemeinen“, ergänzt Baumbach das Stimmungsprofil der Herbstläuferin. Und wenn dann bei Solo-Läufen doch die Dunkelheit für ein unwohles Gefühl sorgt, kann die Recherche nach einer beleuchteten Laufstrecke helfen. In mehreren deutschen Großstädten, wie zum Beispiel in Köln oder Berlin, gibt es Laufstrecken, die vom Start- bis zum Zielpunkt beleuchtet sind. Die hellen Strecken beschränken sich dabei nicht auf das Innenstadt- Gebiet. Im Ruhrgebiet ist zum Beispiel eine über zehn Kilometer lange Strecke rund um den Kemnader See erhellt.

Vom Sportmuffel zur Sportskanone

Aber auch die Lauftrainerin kennt die Momente, in denen man einfach keinen Spaß am Laufen hat. „Ich selbst war stark übergewichtig und Bewegungslegasthenikerin, ich habe Sport gehasst. Ganz besonders das Laufen, weil ich in der Schule über das Laufen nur eines gelernt habe, nämlich dass ich es nicht kann. Mein Partner Gregor kommt aus der gleichen Situation. Wir kennen also beide das Gefühl der Trägheit und Antriebslosigkeit.“ Mittlerweile ist aus dem Sportmuffel jedoch eine Sportliebende geworden. Doch ganz befreit ist sie von schlechten Tagen dadurch auch nicht. So befand sie sich zum Beispiel in der Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon und blickte morgens auf den knallharten Trainingsplan, den ihr Partner Gregor ausgeklügelt hatte. Aber sie hatte das miese Wetter einfach nur satt und wollte partout nicht vor die Tür.

Also ging es auf das Laufband, das die beiden Trainer eigentlich nur für Leistungsdiagnostiken nutzen. „Ich habe mich auf kurze Hose und Top gefreut“, sagt Baumbach zurückblickend, „dann habe ich ein paar Kilometer auf dem Laufband durchgehalten, bis mich dieses Indoor-Laufen so aggressiv gemacht hat, dass ich mich umgezogen habe und doch noch nach draußen gegangen bin. Das Laufen an frischer Luft ist einfach unbezahlbar und durch nichts zu ersetzen.“ Da ist es dann nicht schlimm, wenn es statt Top und kurzer Hose doch ein paar Schichten mehr werden. Atmungsaktiv, wasserabweisend, aber nicht zu warm sind beim Herbstlauf-Outfit die wichtigen  Start- bis zum Zielpunkt beleuchtet sind. Die hellen Strecken beschränken sich dabei nicht auf das Innenstadt- Gebiet. Im Ruhrgebiet ist zum Beispiel eine über zehn Kilometer lange Strecke rund um den Kemnader See erhellt.

Die Expertin schwört dabei besonders auf ein gutes Laufunterhemd, das eng am Körper anliegt, dazu eine dünne, wärmende Zwischenschicht und – ganz wichtig – eine wind- und wasserabweisende dichte Jacke. Bei der letzten Schicht sollte man besser einmal etwas tiefer in die Tasche greifen, anstatt in mehrere mittelgute Jacken zu investieren. Baumbachs Prinzip ist dabei generell, sich bloß nicht zu dick einzupacken. „Wenn man so losläuft, dass man nicht friert, dauert es circa 15 Minuten, bis es einem zu warm ist“, sagt Baumbach, „also immer so kleiden, dass man die ersten fünf Minuten friert und weitere zehn Minuten fröstelt. Dann passt es in der Regel, und man fühlt sich wohl beim Herbstlauf.“ An den Füßen achtet die Frau aus NRW auf qualitativ hochwertige Schuhe für gute Trittsicherheit. „Goretex- Schuhe garantieren warme, trockene Füße und haben in der Regel auch ein anderes Profil, sodass auch die Trittsicherheit auf Schnee erhöht ist“, versichert Baumbach mit Blick in Richtung Winter. Bei Eis ist dann trotzdem Schluss und das Laufband muss herhalten. Doch das sollte im Herbst noch kein Problem sein. Denn die goldene Jahreszeit ist viel besser als ihr Ruf. Es ist nicht so heiß wie im Sommer, die Gewitter werden weniger, und vor allem leuchten die Bäume in den verschiedensten Farben und bilden die Kulisse für bunte Laufabenteuer

Leuchten Sie!

Sichtbarkeit ist zu jeder Jahreszeit elementar für die Sicherheit der Läuferinnen und Läufer. Im Herbst, wenn die Tage dunkler werden, sollte das Augenmerk natürlich noch mehr auf diesem Aspekt liegen. Besonders diejenigen, die sich durch die Stadt und im Straßenverkehr bewegen, müssen unbedingt auf reflektierende Kleidung oder das Tragen von Reflektoren achten. In ländlicheren Regionen – dann wenn keine Straßenbeleuchtung vorhanden ist – müssen die Läuferinnen selbst leuchten. Ob man sich für eine Stirnlampe oder eine Leuchte auf Brusthöhe entscheidet, ist absolute Geschmackssache. Besonders in Straßennähe sollte zudem besonders in der Dunkelheit bestenfalls auf Musik verzichtet werden.

Atmung an kühlen Tagen

Die Luft ist viel zu kalt, um laufen zu gehen. Dieser Satz kann einem leicht in den Kopf kommen, wenn man gerade auf der Suche nach einer Ausrede ist, an kälteren Tagen nicht die Laufschuhe zu schnüren. Doch Winterausdauersportler wie Skilangläufer machen es vor: Solange keine bronchialen Erkrankungen vorliegen, ist kalte Luft kein Problem. Ein angenehmer Tipp an sehr kalten Tagen ist das Einatmen durch die Nase. So wird die Luft bis zur Lunge stärker aufgewärmt. Wer mag oder besonders kälteempfindlich ist, kann sich zusätzlich ein Tuch oder einen Schal über Mund und Nase ziehen. Spätestens dann sind jedoch alle Ausreden hinfällig.

Susan Baumbach

Zusammen mit ihrem Partner Gregor Adler versprüht Susan Baumbach in Wuppertal und Köln Lauffreude. Die beiden Trainer bieten Laufkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an und betreuen Firmenlauftreffs als Vorbereitung auf die Teilnahme an B2Run-Läufen. Auch Trainingsplanung und Ernährungsberatung hat das Lauf-Freude-Team (www.lauf-freude.de) im Angebot.

Kerstin Börß

AdobeStock_143786621

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Öko-Mode ist unmodern? Das ist schon lange nicht mehr so. ­Immer mehr Hersteller ­versuchen, ­ressourcenorientiert zu ­produzieren und aus Abfall­produkten neue, nachhaltige Mode zu designen. Die Natur freut es.

Der Konsument entscheidet sich bei Sportmode für Teile, die gut sitzen, toll aussehen, sehr atmungsaktiv sind, einen besonders bequemen Sitz durch einen hohen Stretchanteil haben, schnell ­trocknen und den Schweiß gut nach außen absorbieren. Dass eine Standard-Baumwolle dies alles zusammen schwer bieten kann, ist klar. Die Industrie entwickelt ­daher immer neue Kunstfaserstoffe, die durch viel ­Chemie und Maschinen hergestellt werden. Die Umwelt leidet unter dem erhöhten menschlichen Bedarf dieser Spezialstoffe. Kunstfasern basieren im Regelfall auf Erdöl, welches als Ressource bald nicht mehr zur Verfügung ­stehen wird. Laut Greenpeace belastet das benötigte Erdöl aber auch extrem die Umwelt. Die Suche, die ­Förderung, Verarbeitung, der Transport und der Verbrauch sind Aspekte, die der Umwelt nachhaltig schaden. Die Urwälderrodung und das Zerstören von unberührten Küstenregionen sind dabei nur zwei traurige Resultate.

Endlich handeln

Was man dagegen tun kann? Neben dem Tragen von Kleidung für eine längere Zeit und der Entsorgung in speziellen ­Kleidercontainern ist es auch möglich, direkt nachhaltige Recycling-Kleidung zu kaufen. Denn für die Herstellung von ­Recycling-Kleidung wird nur etwa die Hälfte an Energie verbraucht wie bei ­Produkten, die aus mit Rohöl produzierten Fasern gefertigt sind. Immer mehr Sportmode-Marken ­produzieren deshalb Textilien oder Schuhe, die komplett oder zum Großteil aus Recycling-Fasern bestehen.

Adidas geht dabei mit gutem Beispiel voran. Sie nutzen für viele Produkte ein spezielles Garn, welches in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Parley hergestellt wurde: Es besteht zum Teil aus Parley-­Ocean-Plastic, das aus recyceltem Plastikmüll besteht, der an Stränden und in ­Küstenregionen gesammelt wird, bevor er ins Meer gelangen kann.

Die Marke „hejhej-mats“ verfolgt ­ebenfalls ein Öko-Prinzip bei der ­Herstellung ihrer Yogamatten. Sie nutzt Ressourcen, die es auf dem Planeten bereits im Überfluss gibt, anstelle von ­begrenzten natürlichen Ressourcen: Ein Kilo Schaumstoffreste ­wird für eine „hejhej-mat“ genutzt. Das Kaufen einer solchen Matte verringert die Menge an Plastikmüll. Die ­Etiketten und Straps bestehen aus biologisch abbaubarer Biobaumwolle mit ­wasserbasiertem Druck, und die Produkte werden ausschließlich in Deutschland ­gefertigt. Die Logos werden in Zusammenarbeit mit einer Werkstätte für Menschen mit Leistungseinschränkungen aufgenäht.

Auch das Kaufen von Produkten aus nachhaltigen Rohstoffen kommt immer mehr in Mode. Kork, Hanf oder Eukalyptus sind dabei ganz vorne in der Beliebtheit. Die Vorteile ­liegen auf der Hand: schadstoffarm, umwelt- und hautverträglich.

Achten Sie beim Kauf auf das Fairtrade-Siegel. Dadurch ist gesichert, dass die Produkte mit grundlegend sozialen und ökologischen Bedingungen hergestellt wurden.

Funktionell kann die umweltbewusste ­Mode gut mithalten. Der höhere Preis schreckt so manche Käufer ab, jedoch lohnt es sich – wenn nicht für Ihr Gewissen, dann definitiv der Umwelt zuliebe.

 

Lara Wassermann

BAP1940_21997_800x533

Leichtfüssig unterwegs

Anzeige

Viel Wettkampferfahrung sammelt nur, wer viel unterwegs ist. Immer mehr Läufer verbinden sportliche Ziele mit Sightseeing und Städtetrips.

Wer als Läufer regelmäßig neue Reize durch Wettkämpfe setzen will, kommt um das Reisen nicht herum. Schließlich finden nicht alle Läufe vor der eigenen Haustür statt. Wer will, findet an nahezu jedem Wochenende die Gelegenheit, irgendwo in Deutschland oder gar Europa an den Start zu gehen. Das verbessert nicht nur die Form, sondern sorgt für jede Menge Abwechslung. Man lernt neue Städte und Menschen kennen. Reist man bereits einige Tage vor dem Start an oder gönnt sich hinterher eine kleine Auszeit, bietet sich sowohl allein Reisenden als auch Paaren die Möglichkeit, dem Laufen Urlaubscharakter zu geben. Ein Trend, auf den sich viele Reiseveranstalter eingestellt haben, die Komplettpakete mit Hotelunterkünften und Starts anbieten. Das ist ja gerade das Schöne am Laufen: Bei keinem anderen Sport hat man dermaßen Gelegenheit, auch während des Wettkampfs die Stadt zu betrachten.

RICHTIGES EQUIPMENT
Fürs Reisen gilt im Grunde dasselbe wie für das Laufen selbst: Mit dem richtigen Equipment macht es noch mehr Spaß. Bei der Auswahl der Kleidung stellen sich im Grunde genau dieselben Probleme wie bei jedem Urlaub: Man will möglichst für jede Situation (sprich: jedes Wetter) gerüstet sein, ohne zu viel Ballast mitzunehmen. Die Taschen sollen praktisch sein, sicher und nicht zu schwer. Eine durchdachte Aufteilung sorgt dafür, dass man das Equipment nicht lange suchen muss. Im Idealfall bieten die Taschen auch genügend Platz für die Kleidung, die man vor bzw. nach dem Wettkampf trägt. Die Kleidungsstücke selbst wünscht man sich möglichst leicht und robust, im besten Fall auch wasserdicht oder zumindest wasserabweisend.

Hat man für das Wettkampfwochenende außer dem eigentlichen Lauf noch einen Stadtbummel oder einen kleinen Ausflug in die Umgebung geplant, ist man für Kleidung dankbar, die nicht nur funktional, sondern auch stylish ist. Idealerweise knittert diese nicht, hat ein kleines Packmaß und beansprucht damit im Koffer nur wenig Volumen. Was gut fürs Reisegepäck ist, kann man natürlich auch im Alltag gebrauchen, denn für eine kompakte Regenjacke oder -weste ist noch in jeder Büro-bzw. Laptoptasche genügend Platz. So muss man nicht fürchten, nach Feierabend noch von einem Regenschauer „kalt erwischt“ zu werden.

RESPEKT FÜR DIE NATUR
Für Läufer, die sich viel an der frischen Luft und damit auch in der Natur bewegen, sollte ein respektabler und rücksichtsvoller Umgang mit derselben selbstverständlich sein. Das bedeutet nicht nur, dass man seine Abfälle nicht einfach dort liegen lässt, wo es einem passt, auch durch den Kauf und die Verwendung nachhaltig produzierten Equipments kann man etwas für die Umwelt tun. Das ist mittlerweile auch bei den Herstellern, insbesondere bei Jack Wolfskin angekommen: Bei der einzigartigen „Zero Waste“ Technologie wird der Verschnitt für die Herstellung der Membran verwendet. Für das Außenmaterial und den Futterstoff kommen recycelte PET-Flaschen zum Einsatz. Auch Fleece-Soffe und Isolierungsmaterialien werden aus altem PET hergestellt. Zudem ist ab Winter 2019 die gesamte Bekleidungs-, Rucksack-und Taschen-Kollektion von Jack Wolfskin frei von schädlichen Fluor-Kohlenstoff-Verbindungen (PFC).

 

 

 

100_nw_190212_11_31_54-3

„Ich dachte, meine Welt wäre die große, weite Welt“

Sabrina Mockenhaupt bereitet die Zeit nach ihrer Laufkarriere vor. Zuletzt trat Mocki in der RTL-Show „Let’s Dance“ auf. Ob sie nun eine TV-Karriere plant und die Laufschuhe tatsächlich an den berühmten Nagel hängt, verriet sie uns in einem exklusiven Gespräch.

Mocki, mit deiner Teilnahme bei „Let’s Dance“ hast du dich auf völlig neuem Parkett bewegt. Glitzer und Show, dazu eine permanente TV-Präsenz. Wie hast du das Ganze erlebt, und wo siehst du beim Tanzen die größten Parallelen und Unterschiede zum Laufsport?

Nun, zunächst mal musste ich ganz schön hart arbeiten. Auch beim Tanzen gilt: Von nix kommt nix. Disziplin ist wichtig. Laufen ist im Gegensatz zum Tanzen relativ einfach. Du musst einen Schritt vor den anderen machen – jedenfalls nicht groß über deine Schritte nachdenken. Beim Tanzen denkst du permanent in Schrittfolgen. Das fiel mir schwer. Mich irritierte schon der Zwischenapplaus während der Show. Dann wurde ich immer schneller, auch weil mich beim Laufen Jubel nach vorne treibt. Ich bin da quasi konditioniert. Beim Tanzen passt das jedoch nicht. Da kann man nicht so einfach ausrasten, schwupps, bist du aus dem Takt. Mir war direkt klar: Wenn ich bei „Let’s Dance“ was erreichen will, muss ich mehr üben als andere.

Was hat sich in dieser Zeit bei „Let’s Dance“ sonst noch für dich verändert?

Der Unterschied ist die Vielzahl an Menschen, die sich auf einmal mit dir beschäftigen, deine Leistung kommentieren, dich auf der Straße erkennen, Fotos mit dir machen wollen. Ich dachte immer, dass die Leute mich eigentlich bereits kennen müssten. Nun musste ich feststellen, dass ich zwar in Läuferkreisen einen guten Bekanntheitsgrad habe, mich in der viel größeren anderen Welt jedoch eigentlich niemand kannte. Ich dachte, meine Welt wäre die große, weite Welt. Als ich bei den Proben zu „Let’s Dance“ ankam, kannte mich tatsächlich niemand. Weder die Mittänzer noch die Zuschauer. Das hat sich im Positiven wie im Negativen total verändert. Gerade die negativen, persönlichen Angriffe über Instagram und Facebook, weit unter der Gürtellinie, die haben mich während der Zeit bei „Let’s Dance“ schon getroffen. Das kannte ich in der Fülle bislang nicht. Leider bleiben schlechte Kommentare mehr im Gedächtnis haften als die vielen gut gemeinten.

Damit wir uns das besser vorstellen können: Wie war der Tagesablauf während deiner Zeit bei „Let’s Dance“?

Eigentlich habe ich die ganze Woche jeden Tag, bis auf den Samstag, trainiert, das heißt getanzt. Samstags, am Tag nach der Show, war ich jedes Mal mental komplett leer. Das ist tatsächlich vergleichbar mit einem Marathonrennen. Du gibst alles rein und bist dann komplett ausge­powert. Dabei macht mir Tanzen total Spaß. Schon früher bei den Banketts nach Wett­kämpfen war ich immer eine der Ersten auf der Tanzfläche. Ich liebe ­Abschlusspartys, allerdings nur, wenn ich gut gelaufen bin, sonst habe ich mich immer geschämt. Ich hab mir das damals immer verboten, dann zu feiern. Nicht gut gelaufen hieß nicht feiern.

Bin ich früher noch bis zu 160 Kilometer die Woche gelaufen, kam ich in der Zeit bei „Let’s Dance“ oft nur auf 20 Kilometer. Dabei habe ich immer Laufsachen dabeigehabt. Ich habe das Laufen ganz schön vermisst und wäre so froh gewesen, öfters aus dem Hotel herauszukommen. Mal frische Luft zu tanken. Erich Klann, meinen Tanzpartner während der Zeit, konnte ich allerdings auch mal überzeugen mitzukommen. Der Hauptfokus lag aber verständlicherweise auf dem Tanzen und vor allem dem Erlernen der Schritte. Sonntags wurde dann der neu zu erlernende Tanz vorgestellt, der Rest der Woche bestand dann aus Feinschliff.

Das spricht für enormen Ehrgeiz. Konntest du den während der Tanzshow im Zaum halten?

Das war schon schwierig. Beim Tanzen musst du ja loslassen und locker sein. Erich hat immer wieder angemerkt, dass ich mich stocksteif bewege (lacht). Ich bin quasi an meinen Muskeln verzweifelt. Beim Laufen trainierst du darauf, dass dein Rumpf möglichst stabil bleibt. Nun musste alles locker sein. Ich kann ja auch keinen Spagat. Bei meinem ersten Auftritt habe ich die Arme so bewegt, als ob ich ins Ziel einlaufen würde. Am Ausdruck und den passenden Bewegungen haben wir also stark arbeiten müssen. Und ohne dass es vulgär klingen soll: Ich musste üben, nicht immer so breitbeinig zu gehen. Sonst bin ich schließlich den ganzen Tag nur in Laufklamotten unterwegs, da brauchte ich nicht besonders weiblich zu gehen oder darauf zu achten. Erich, der Gute, hat während des Tanz­trainings immer versucht, möglichst viel Weiblichkeit aus meinem Körper rauszuholen. Das ist ihm teilweise auch gut gelungen, und ich habe mich nach und nach wohler dabei gefühlt.

Wie lief es dann während der Shows?

Ich bin ja ein Wettkampftyp. Die ganze Woche über war ich total nervös und glaubte nicht, dass ich die ganzen Schrittfolgen zusammenbringe. Am Tag selber war ich meist ohne großes Lampenfieber. Mir war es egal, ob das rote Licht nun an war oder nicht. Ich hab die Kameras meistens vergessen. Ganz toll fand ich im Übrigen den Zusammenhalt der Tänzer untereinander. Mit „Pommes“ (der Ex-Handballer Pascal Hens, Anm. d. Red.) ­habe ich mich eh gut verstanden, aber auch mit den anderen Tänzern.

Wird man eigentlich für „Let’s Dance“ angesprochen, oder muss man sich dafür bewerben?

Nun, die Entscheider müssen dich zumindest mal auf dem Schirm haben. Das war schon mal die erste Hürde. Mich kannte ja niemand in der TV-Welt. Das haben wir ja eben schon angesprochen. Wir Läufer fliegen da völlig unter dem Radar, die meisten wissen gar nicht, was wir leisten. Also habe ich mich selber beworben. An meinem letzten Geburtstag hatte ich dann das Casting. Danach hatte ich ehrlich gesagt ein nicht so gutes Gefühl. Ich habe so viel geredet an diesem Tag, die kamen gar nicht mehr zu Wort. Ich glaube, mir hörte auch keiner mehr richtig zu. Anfang des Jahres kam dann jedoch die positive Rückmeldung. Da war ich dann stolz, schließlich habe ich das allein erreicht, auch allein verhandelt.

Mocki, nun konnte man vor einiger Zeit lesen, dass du die Laufschuhe an den Nagel gehängt hast und dich fortan um die Karriere nach der Karriere kümmern möchtest. Diese Meldung hast du jedoch ziemlich schnell ­korrigiert. Heißt das, wir sehen dich in naher ­Zukunft wieder auf der Laufstrecke?

Da muss ich ein wenig ausholen. Als ich nicht zur EM nach Berlin fahren konnte, bin ich in ein riesiges mentales Loch gefallen. Zuvor habe ich nach Verletzungen und Operationen im Training immer wieder viel zu früh Gas gegeben und meinem Körper wieder alles abverlangt, nur um schnell wieder in Form zu kommen. Das war ein Fehler. Ich hatte einfach keine Lust mehr aufs Laufen. Von jetzt auf gleich habe ich nicht mehr trainiert. Zudem ging meine Zeit bei der Bundeswehr dem Ende zu. Von dort bekomme ich zwar Geld für eine fünfjährige Übergangszeit, das ist so weit beruhigend, aber es war an der Zeit, mich um meine weitere Zukunft zu kümmern.

In Richtung Management habe ich mich dann ebenfalls anders aufgestellt. Auch hier wollte ich andere Ideen bekommen. Um mich zu ­orientieren, habe ich nach ­einer Zwischenlösung gesucht, wollte dann sehen, ob ich nicht doch weitermache mit der Lauferei. „Let’s Dance“ war dann tatsächlich nach der Hyrox-Fitness-Challenge eine der ersten Ideen. Da wollte ich immer schon teilnehmen. Und es war mir allemal lieber, als die Vorschläge meines Beraters anzunehmen, mich über die Dörfer zu schicken und mit Blickrichtung Tokio auf einer Art Abschiedstour „abzukassieren“.

Dass der DLV mich zudem aufgrund falsch interpretierter Meldungen mit einem Rücktrittsgesuch angeschrieben hat, fand ich nicht so nett. Da hat noch nicht mal jemand persönlich nachgefragt, ob das so richtig ist mit dem Rücktritt. Ein kurzer Anruf wäre nach den vielen Jahren der Zusammenarbeit doch nicht zu viel verlangt gewesen. Zumal ich in der Vergangenheit immer für den Verband da war, wenn ich gebraucht wurde. Der DLV hat sich aber auch dafür entschuldigt, das muss fairerweise dazugesagt werden.

Was können wir denn zukünftig von dir ­erwarten?

Ich habe jetzt erste TV-Erfahrung sammeln können und auch bei der Hyrox-Fitness-Challenge mitgemacht. Hyrox hat total Spaß gemacht, war aber zu hart für mich allein. Zwar habe ich mir extra Muckis antrainiert, bei den ganzen Kraftübungen war ich dennoch unterlegen. Nur gut zu laufen hat dort nicht gereicht. Das könnte ich mir jedoch als eine Doppel-Challenge noch mal vorstellen. Auch im TV könnte ich mir vorstellen, etwas zu machen. Es gibt ein paar Ideen, aber noch nichts Konkretes. Was das reine Laufen betrifft, möchte ich auf jeden Fall Trailrunning weiter ausprobieren. Für diesen Sommer habe ich beispielsweise einen Start beim Pitz-Alpine-Run fest eingeplant. Aber auch das leistungsorientierte Laufen generell habe ich noch nicht ganz abgeschrieben. Irina (­Mikitenko, Anm. d. Red.) war schließlich mit 39 in der Blüte ihres Lebens. So alt bin ich ja noch nicht mal (schmunzelt). Jedenfalls ist für die Zukunft noch nichts endgültig entschieden. Ich freue mich jetzt zunächst einmal darauf, mein altes Leben wiederzuhaben. So schön die Auszeit beim TV auch war, das Laufen habe ich schon sehr vermisst. Und auch wenn ich im Moment aus dem Leichtathletik-Pool des DLV raus bin, mich würde beispielsweise auch ein internationaler Team-Wettbewerb in der Leichtathletik reizen. Dafür muss ich jedoch zunächst wieder fit werden. Nach nur 59 Kilometern im April komme ich langsam wieder in Form und finde meinen Rhythmus. Ich scheine mein Tief überwunden zu haben, das Laufen macht mir jedenfalls wieder total Spaß. Und einen kleinen Vorteil hat die momentane Situation – ich muss mich nicht mehr jeden Tag für Dopingkontrollen zur Verfügung stellen (lacht). Man sollte mich jedoch noch nicht abschreiben. Und schließlich weiß man nie, was kommt. Vielleicht möchte ich ja auch noch Mutter werden.

 

Interview: Ralf Kerkeling

Thule_AllTrail_LS_Split_Landscape_02

Vielseitige Wander-Outfits: Vom Berg in die Stadt

Wanderbekleidung sollte nicht nur funktional und praktisch, ­sondern auch modisch schick sein. Wir haben ein paar tolle Outfits zusammengestellt, mit denen Sie sowohl auf der Almhütte als auch beim Cafébesuch in der Stadt eine gute Figur machen.

Wanderbekleidung muss ähnlich wie jede andere Sport- oder Outdoorkleidung verschiedene Kriterien erfüllen: Unter anderem stehen die Funktionalität, der Tragekomfort und die Optik im Vordergrund. Bei Wandertouren, die hauptsächlich in der Natur stattfinden, wird der letzte Punkt manchmal vernachlässigt. Spätestens dann, wenn man irgendwo einkehren möchte, wird allerdings klar, dass Funktionalität nicht alles ist. Eine ausgewogene Kombination aus Funktionalität und modischer Optik ist also erstrebenswert. Insbesondere in den wärmeren Monaten muss unbedingt auf eine gute Atmungsaktivität der Materialien Wert gelegt werden.

Sightseeing – Wandern im urbanen Raum

Wanderungen durch die Idylle der Natur – in den Bergen oder durch die Wälder – begeistern viele Menschen. Doch auch Wanderungen oder sehr lange Spaziergänge in forschem Tempo in der Stadt sind immer weiter verbreitet. Eine dieser Sightseeing-Wanderungen könnte beispielsweise durch London von der Tower Bridge bis zur Westminster Cathedral führen. Dabei werden einige Kilometer (beziehungsweise in diesem Fall Meilen) zurückgelegt. Neben bequemen Schuhen sind daher funktionale und atmungsaktive Kleidungsstücke unumgänglich. Allerdings möchte man in einem Café am Big Ben nicht durch seine Outdoorbekleidung auffallen, sondern lieber mit einem alltagstauglichen Wander-Outfit zu den anderen Touristen passen. Immer mehr Hersteller haben Produkte im Sortiment, die sowohl bei steilen Bergwanderungen als auch bei einem erholsamen Mittagessen in der Stadt eine gute Figur machen.

 

Allzeit Griffbereit – Thule AllTrail 25L: Der „Thule AllTrail 25L“ ist ein vielseitiger Damen­rucksack mit oben liegender Öffnung, sodass Sie jederzeit schnell auf Ihre Ausrüstung zugreifen können. Durch den seitlichen Reißverschluss am Hauptfach haben Sie auch unterwegs schnell alles Nötige zur Hand. Die Schultergurte, der Hüftgurt und das Rückenteil sind atmungsaktiv und garantieren ein ange­nehmes Tragegefühl. Wanderstöcke können an den Schlaufen befestigt und ­kleine Gegen­stände in der Reißverschluss-Deckel­tasche aufbewahrt werden. Der verstell­bare Brustgurt stabilisiert den Rucksack und bringt zusätzlichen ­Komfort. Mit einem Eigengewicht von knapp einem Kilogramm ideal für Tageswanderungen. Preis: 99,95 Euro. www.thule.com

Für jede Situation – Locarno GTX LOWs von Lowa: Spontane Ausflüge – sowohl in die Berge als auch in die Stadt – sind mit dem „Locarno GTX LO Ws“ von Lowa ab sofort nicht mehr nur die Ausnahme, sondern an der Tagesordnung. Der lässige Look und die funktionalen Details des Schuhs machen ihn zu einem idealen Begleiter für Frauen, die einen aktiven Lebensstil pflegen. Die stylishe Lederprägung, die dämpfende Zwischensohle und vieles mehr sorgen für einen hohen Tragekomfort. Insbesondere bei ­einer längeren Sightseeingtour durch die Stadt entfaltet der „Locarno GTX LO Ws“ sein ganzes Potenzial. Aber auch bei einer Bergwanderung bietet er einen hohen Tragekomfort und guten Grip. Erhältlich in sieben Farben. Preis: 170 Euro. www.lowa.de

 

Nicole Audrit

Women stretching legs at barre in exercise class gym studio

Barre-Fitness – fit wie eine Ballerina

Beim Barre-Fitness treffen grazile Bewegungen einer ­Ballerina auf effektives und schweißtreibendes Ganzkörper-Workout. Der Sporttrend an der Ballettstange ist heute bei Topmodels und Schauspielerinnen beliebt. Dabei öffnete ­eine ­jüdische Tänzerin bereits vor einigen Jahrzehnten ihr erstes Barre-Studio. Und startete die Erfolgsgeschichte.

Rosafarbene Tutus, enge Schühchen und der strenge Blick der Ballettlehrerin – diese Elemente wecken bei manchen Frauen Kindheitserinnerungen, während es für andere Frauen genau die Gründe sind, warum sie niemals einen Ballettkurs besucht haben. Doch spätestens seit Natalie Portmans Darstellung des Black Swan ist Ballett in der Popkultur angekommen, und besonders der durchtrainierte Körper der mit einem Oscar prämierten Portman wurde auf der Leinwand bewundert. Vor dem Dreh des Films bereitete sich Portman monatelang mit der Ballerina und Fitnesstrainerin Mary Helen Bowers auf ihre Rolle vor. Das Training war kein reines Ballett­training – Barre stand auf dem Programm.

Das Barre-Workout, das nach dem französischen Begriff für Stange benannt ist, ist ein Fitness-Training für den ganzen Körper, das hauptsächlich an der Ballettstange stattfindet. In Bowers’ Studio im New Yorker Stadtteil SoHo gehen Topmodels, wie die Victoria’s-Secret-Engel, ein und aus. Doch das intensive Workout ist für jede Frau effektiv, Fitness-Anfängerinnen oder bereits trainierte Frauen.

Eine komplett neue Heraus­forderung

Tänzerische Vorkenntnisse oder eine hohe Grundfitness braucht es nicht“, sagt Barbara Heiner, die in München unter anderem als Barre-Trainerin und Yoga-Lehrerin arbeitet. „Die erste ­Stunde Barre macht sich allerdings in der ­Regel anschließend für alle bemerkbar, meist mit einem Muskelkater. Und zwar unab­hängig davon, ob und wie jemand sportlich aktiv ist. Weil es für den Körper einfach komplett neu ist, beispielsweise die Stabilität von den Füßen in den Körper zu bringen und im Zehenballenstand anhaltend in Bewegung zu kommen“. Durch diese Bewegungsabläufe ist Barre laut Heiner eine komplett neue Herausforderung für Füße und Beine und damit auch für den gesamten Körper. „Die Unterstützung durch die Ballettstange Barre ermöglicht uns ganz neue Ausrichtungen, die uns ein neues Bewegungs- und Körpergefühl schenken. Die Barre motiviert zu innerer Aufrichtung, und die Musikbegleitung wähle ich so, dass die Teilnehmer sich unterstützt und nicht getrie­ben fühlen“, erklärt Heiner. Trotz der omnipräsenten Ballettstange beruht Barre nicht nur auf dem Ballett entliehenen Elementen, sondern erinnert bei vielen Übungen auch an Yoga und Pilates. Das entspannt sicherlich jene fitnessinteressierten Frauen, die Tanzen eher wenig abgewinnen können.

Barre passt ideal zu Yoga und Pilates“, sagt auch die Münchner Barre-Exper­tin, „wer eine bewusste Bewegungspraxis sucht, wer den Köper stärken und gleichzeitig geschmeidig und beweglich halten möchte, liegt richtig mit Barre. Wir bewegen uns im Flow, eine Haltung fließt in die nächste, in weichen Übergängen. Die hohe Konzentration auf den Atem, auf den Körper, auf die jeweilige Bewegungssequenz schafft einen hohen mentalen Gewinn, denn es bleibt einfach kein Raum für abschweifende Gedanken.“

Neben der Stange können auch kleine Gewichte, Bälle und die Yogamatte mit ins Training einbezogen werden. Jedes Fitness- oder Tanzstudio setzt da seine eigenen Akzente. Doch alle eint der Fokus auf eine bessere Haltung. ­Frauen, die mit einem Ballett-Hintergrund das Barre-Training beginnen, werden ­zudem die ein oder anderen Elemente aus dem Balletttanz bekannt vorkommen. „Im Barre sind einige Fuß- und Handhaltungen aus dem Balletttraining wiederzufinden, wie beispielsweise die Erste Position, die Zweite Position, Plié, Relevé, Arabesque und Attitude“, sagt Heiner, die in diesem Jahr das erste Mal ein Barre-Camp in Kitzbühl initiiert.

Revolutionäre Ursprünge

Wer ein Studio sucht, das Barre-Fitness anbietet, wird heute schnell fündig. In den USA gibt es unzählige Angebote, und von dort ist der Trend in den letzten Jahren über den Altantik nach Europa geschwappt. Doch die ursprüngliche Methode des Ballett-Workouts, auf dem die heutigen Übungen beruhen, stammt von einer in Köln geborenen Jüdin, die Ende der 1950er-Jahre ein Fitness-Studio in London betrieb. Die Tänzerin Lotte Berk, die Mitte der 1930er-Jahre aus Deutschland nach England geflüchtet war, litt an Rückenproblemen und kreierte die Übungen zunächst, um ihrem eigenen Körper etwas Gutes zu tun. Zu ihren Kundinnen im Londoner Studio zählte unter anderem die schwedische Schauspielerin Britt Ekland, die mit den Barre-Übungen ihren Körper beispielsweise für die Rolle als James-Bond-Girl in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ in Topform brachte.

Noch wichtiger als die expliziten Übungen oder prominente Barre-Befürworterinnen war für den Erfolg von Berks Programms jedoch Lotte Berk selbst. Zu Beginn der zweiten Welle des Feminismus wollte Berk das Körpergefühl der Frauen stärken und bei ihnen das Gefühl für ein sexuelles Selbstbewusstsein stärken. Was heute hauptsächlich ein Fitnesstrend ist, hat seine Wurzeln also in der sexuellen Befreiung. Im Mittelpunkt stand bei Lotte Berk der Tuck-Move, bei dem das Becken mithilfe der Bauchmuskeln leicht nach vorne und hinten bewegt wird – eine Bewegung, die die Körpermitte stärkt, Rückenproblemen vorbeugt und den damaligen Frauenmagazinen zufolge eventuell auch ein besseres Sexleben zur Folge haben könnte.

Anfang der 1970er-Jahre schrieb die „New York Times“ über ein neu eröffnetes Barre-Studio in der US-Metropole. Barre sei eine Kombination von modernem Ballett, Yoga und Sex, war dort zu lesen. Letzteres erklärte die Redakteurin unter anderem mit der Übung, die am Ende jeder Stunde folgte: „Zum Schluss gibt es eine Art Bauchtanz aus einer knienden Position heraus. Es erinnert optisch an die Bewegungen der Kobra, die von einem Schlangenbeschwörer dressiert wird. Dabei soll die Übung Wunder für die Taille bewirken.“ Eine Teilnehmerin, die zum ersten Mal mitmachte, wird zitiert, dass sie Muskeln spüre, von denen sie nicht ahnte, dass sie sie besäße.

Laut Lotte Berks Tochter Esther Fairfax, die mit über 80 Jahren noch ein Studio betreibt, habe im Laufe der Jahrzehnte jedes Studio mit eige­nen Varianten die ­Barre-Technik ­beeinflusst und verändert. Doch Elemente wie der Tuck-Move, der manchmal auch Tilt-­Move genannt wird, würden die verschiedensten Methoden und Varianten von Barre-Fitness vereinen.

Auch bei Barbara Heiners Barre-Einheiten geht es um Weiblichkeit. „Der Fokus der Bewegungen im Barre inspiriert die Weiblichkeit mit weichen, fließenden, kreisenden Bewegungen, oftmals aus einem schwingenden Becken heraus. Viele Sequenzen, Handhaltungen und Beugungen haben ihren Ursprung im klassischen Balletttraining der Tänzerinnen und muten uns daher oft wohltuend feminin an. Vor allem Frauen fühlen sich daher in meinen Stunden gut aufgehoben, wertgeschätzt und inspiriert“, erzählt Heiner. Ein Barre-Workout kann für die Teilnehmer­innen also viel mehr sein als bloße Fitnessübungen in einem Ballett­studio-Umfeld.

 

Kerstin Börß

18

24 h Wanderabenteuer

100 Kilometer in 24 Stunden – lange Wanderungen liegen im Trend. Und wer nach dieser Achterbahn der Gefühle ins Ziel kommt, hat seine Grenzen verschoben und sich selbst noch einmal ganz anders kennengelernt.

Die Grenze ist nur in deinem Kopf – ein großes weißes Bettlaken mit dieser Aufschrift, das am Wegesrand hängt, soll die Frauen und Männer in Wandermontur noch einmal motivieren. Es ist Sonntagmorgen, und die wandernde Meute ist schon seit dem Nachmittag des Vortags unterwegs – ohne Pause durch die Nacht. 100 Kilometer in 24 Stunden ist das ambitionierte Ziel.

„Der meiste Teil ist dabei wirklich Kopfsache, solange du weißt, dass du deinen Körper nicht kaputt machst. Ich würde sagen, dass es bei mir ungefähr 30 Prozent Körper und 70 Prozent Kopf sind“, erzählt Johanna Ruppersberg, die schon bei vier Wander-Events die 100 Kilometer bewältigen konnte. Am schwersten sei es in der Nacht. „Zwischen zwei und drei Uhr, wenn man im Dunkeln durch einen Wald geht, kommt meistens der Tiefpunkt. Zu der Zeit will eigentlich jeder für sich sein, und alle gehen mit etwas Abstand voneinander und hören zum Beispiel Hörbücher“, berichtet die Berlinerin.

Doch auf die Nacht folgt die Sonne und damit auch die Phase der Euphorie. „Du siehst diese Gestalten in Wanderklamotten aus dem Wald kommen und weißt, dass jeder der hier ist, auch all das hinter sich hat, was du schon hinter dir hast. Das ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl. Trotzdem ist diese Euphorie­phase nur von kurzer Dauer“, warnt Johanna. „Danach kommt bei mir direkt die Müdigkeit. Ich hatte auch schon mal einen Sekunden­schlaf beim Gehen. Da ist es gut, wenn Leute um dich herum sind.“ Auf die ­müde Phase folge dann hysterisch albern und aggressiv – bis nach 100 Kilometern die Gefühls­palette einmal komplett abgehandelt wurde.

Warum mache ich das?“

Doch so verschieden die Emotionen während der Wanderung auch sind – eine Frage bleibt unverändert. Das „Warum mache ich das?“ ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein ähnlich konstanter Begleiter wie die XL-Schachtel Müsli-Riegel im Rucksack, das gute Zureden der freiwilligen Helfer an den Verpflegungsstationen und der Traum vom frischen Bier beim Zieleinlauf. „Ich stelle mir die Frage ­bestimmt 50 Mal. Aber eine richtige Antwort darauf finde ich nicht. Wenn mich Leute das so fragen, ­antworte ich einfach ganz kurz mit ‚Weil ich es kann‘“, sagt Johanna. Die 30-Jährige ist eher zufällig zu ihrem extremen Hobby gekommen. Sie hatte den Mammutmarsch in Berlin vor ein paar Jahren zufällig bei Facebook gesehen und ist dann einfach mit drei Freunden losgewandert. „Bei Kilometer 30 sind meine Freunde ausgestiegen“, erzählt Johanna. So ergeht es vielen Menschen auf der Strecke, und dann heißt es unter den mehreren Hundert Mitgehern, neue Partner zu finden, die mitsamt Tempo und Persönlichkeit zu einem passen. ­Johanna hat auf diese Weise ihren ­Laufbuddy Ingo gefunden. Mit ihm geht sie seitdem jährlich bei zwei bis drei Wander-Events an den Start. „Mehr machen wir nicht, schließlich müssen Kopf und Körper es unbedingt ­wollen“, sagt Johanna. Das nächste Ziel der zwei sind 157 Kilometer in 48 Stunden in Willingen.

Ein nie da gewesener Ehrgeiz

Bei ihrer ersten 100-Kilometer-Wanderung war für Johanna noch knapp zwanzig Kilometer vor dem Ziel Schluss gewesen. Genau so erging es auch ­Moni Muschalik, die im vergangenen Jahr in Wuppertal ihre Premiere feierte. Doch diese fast doppelte Marathondistanz war für sie schon ein großer Erfolg und eine noch größere Überraschung. Als Ziel hatte sich die Dortmunderin eigentlich 40 Kilometer gesetzt, das hatte sie in der Vorbereitung geschafft – oder, wenn es gut laufen sollte, 60 Kilometer. „Aber dann haben mich die tolle Stimmung und das Gemeinschaftsgefühl weiter angetrieben“, erzählt Moni, „und ich wusste, dass bei Kilometer 81 Freunde von mir warten. Die zu sehen und mit einem Glas Sekt anzustoßen war eigentlich das Einzige, an das ich denken konnte. Als ich dann die erste bekannte Person gesehen habe, kamen direkt die Emotionen hoch, und ich musste erst einmal weinen.“ Als sie anschließend mit ausgezogenen Schuhen und Sektglas in der Hand im Gras saß, habe sie sich gefühlt wie eine Mischung aus Zombie und alter Oma. „Am Sonntag habe ich gesagt: ,Nie wieder!‘, Montag war es eher so ein ,Joa‘-Gefühl und Mittwoch dann ‚Klar, ich mache wieder mit und versuche dann, auch die 100 Kilometer zu schaffen‘“, berichtet die 31-­Jährige. Sobald die Anmeldung möglich war, hat sie sich wieder ange­meldet. „Ich bin das erste Mal in meinem Leben so sehr an meine Grenzen gegangen. Und ich habe vor allem gemerkt, dass es Sachen gibt, wo ich solch einen Ehrgeiz entwickeln kann. Das kannte ich vorher nicht von mir.“

 

Kerstin Börß

Adult woman running outdoors

10.000 Schritte – Fakten und Irrtümer

Wer 10.000 Schritte am Tag macht, der tut etwas Gutes für seine Gesundheit. In diesem Spruch liegt viel Wahres. Dennoch herrscht rund um die weltbekannte Theorie noch Erklärungsbedarf.

Diese Zahl hat sich ins Gedächtnis aller eingebrannt, die sich auf die Fahne geschrieben haben, gesund und aktiv zu leben: 10.000. So viele Schritte sollen es jeden Tag bis zum Ziel, dem gesunden Leben, sein – das zumindest behauptet der berühmte Mythos. Selbst von höchster Stelle, der Weltgesundheits­organisation (WHO), werden mittlerweile die 10.000 Schritte als Leitlinie für all diejenigen herausgegeben, die gesund leben und ihr Gewicht halten beziehungsweise reduzieren wollen. Klar, dass auch kaum eine Fitness-Zeitschrift oder ein ­Fitness-Online-Blog bislang ohne den Rat an die Leser ausgekommen ist, pro Tag 10.000 Mal einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Mythos aus Japan

Interessant wird es, wenn man einmal nachforscht, wann der Siegeszug des 10.000-Schritte-Mythos überhaupt begonnen hat. Mitte der 1960er-Jahre, rund um die im Jahr 1964 in Tokio stattfindenden Olympischen Spiele, startete eine japanische Firma eine ­Marketing-Kampagne, die den ersten tragbaren Schrittzähler bewarb. Der kam unter dem Namen „manpo-kei“ auf den Markt, was übersetzt so viel bedeutet wie „10.000-Schritte-Messer“. Eine wissenschaftliche Grundlage dafür, dass die Schrittzahl in Zusammenhang mit körperlicher Gesundheit steht, gab es damals noch nicht, dennoch wurden die 10.000 Schritte im Zuge dieser Marketing-Kampagne mit der Zeit weltweit zum Symbol eines aktiven Lebensstils – und sind es bis heute geblieben.

Mittlerweile sind sich die Wissenschaftler längst darin einig, dass Bewegung wichtig und dass ohne sie ein gesunder Lebensstil nicht umsetzbar ist. Und wer es tatsächlich schafft, jeden Tag 10.000 Schritte zurückzulegen, der hat schon eine Menge richtig gemacht. Eine US-Studie hat festgestellt, dass 50.000 Schritte pro Woche ausreichen, um einen aktiven Lebensstil zu führen. Mit 10.000 Schritten ist man nach dieser Rechnung also komfortabel im Haben-Bereich.

Dennoch fährt man gut, wenn man sich nicht zu stark auf die Zahlenspiele fokussiert. Die Anzahl der Schritte kann ein guter Indikator für Aktivität und gesunden Lebensstil sein – mehr aber auch nicht. Denn neben der bloßen Zahl kommt es auch noch auf eine Reihe anderer Faktoren an – zum Beispiel auf die Intensität, mit der die Schritte zurückgelegt werden. Gut zeigen lässt sich das am Beispiel des Kalorienverbrauchs. Wer seine 10.000 Schritte in gemächlichem Gehtempo zurücklegt, der verbrennt dabei rund 350 Kalorien. Wer mit strammem Schritt wandert, kommt schon auf 500 Kalorien, wer läuft, gar auf 700. Der Kalorienverbrauch war übrigens auch der Antrieb für den Japaner Dr. Yoshiro Hatano, den Entwickler des „manpo-kei“. Hatano hatte nämlich das Gefühl, dass seine Landsleute sich an einen zu gemütlichen Lebensstil gewöhnen und immer dicker ­werden würden. Dem wollte er durch gesteigerte Aktivität ent­gegenwirken und kam so auf die Idee, die Menschen ihre Schritte zählen zu lassen – und in ihnen den Ehrgeiz zu wecken, mehr Kalorien zu verbrennen.

Auch in einem anderen Zusammenhang ist Schritt nicht gleich Schritt. Ein 1,90 Meter großer Mann mit durchschnittlicher Schrittlänge von 80 Zentimetern legt mit 10.000 Schritten eine Distanz von acht Kilometern zurück, während eine etwa 1,70 große Frau mit einer durchschnittlichen Schrittlänge von 70 Zentimetern einen Kilometer weniger hinter sich bringt.

Ran an den Speck

Was Kalorienverbrauch (und auch das Training des Herz-Kreislauf-Systems) angeht, ist die reine Distanz aber ebenso wenig aussagekräftig wie die bloße Anzahl der Schritte. Neben der Intensität müssen auch die körperlichen Voraussetzungen berücksichtigt werden, in Sachen Kalorienverbrennung spielt dabei vor allem das Körpergewicht eine entscheidende Rolle.

Dennoch ist es keineswegs falsch, sich an der Zahl 10.000 zu orientieren. Denn Fakt ist: Bewegung tut dem Körper gut, und wer täglich 10.000 Schritte schafft, der hat sich nicht viel vorzuwerfen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die 10.000-Schritte-Theorie nicht nur Freunde, sondern auch Kritiker hat. Deren Argumente gehen in der Regel in dieselbe Richtung. Die These: Das Gute, das man seinem Körper mit 10.000 Schritten tut, kann man ihm in anderer Form effektiver und damit auch mit deutlich geringerem Zeitaufwand tun. Ein Beispiel: Wer 30 Minuten in mittlerem Tempo Rad fährt, der hat in ähnlich hohem Umfang „trainiert“.

Und so bleibt am Ende die Einsicht, dass es nicht der einzige und sicherlich auch nicht der effektivste Weg ist, über die 10.000 Schritte das gewollte Maß an täglicher Bewegung zu erreichen. Und sie allein ersetzen auch nicht das anstrengende Workout – es sei denn, wir legen sie laufend zurück. Und das machen wir ja ohnehin am liebsten.

 

Daniel Becker

_33B8065_lr

Gewinnspiel Sätila

Wir verlosen
2 Mützen
gemeinsam mit

 

Das Modell X-4 von Sätila of Sweden ist eine dünne Mütze aus einer Coolmax® Merinomischung
für anstrengende Outdoor-Aktivitäten. Reflektierende Streifen auf der gesamten Beanie verbessern
die Sichtbarkeit im Dunkeln. Weitere Infos unter www.satila.com

 

[contact-form-7 id="2898" title="Sätila Gewinnspiel"]