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Walking-Safari - Mehrtägige Trekkingtour durch die Nationalpark

Bilder: Joachim Dausch

Zu Fuß durch den Busch

Safari in Afrika – darunter stellt man sich ausgedehnte Fahrten im offenen Geländewagen vor, die Kamera immer griffbereit. Man kann sich Elefanten und Giraffen aber auch zu Fuß nähern, zum Beispiel bei einer mehrtägigen Walking-Safari durch den Hwange Nationalpark in Zimbabwe.

Auf einer großen Plane liegen prall gefüllte Tourenrucksäcke, Kochtöpfe, leere Wasserkanister, eine zerfledderte Isomatte und allerhand Lebensmittel wie Instantsuppen, Nudeln, Gurken und Erdnussbutter wild durcheinander. „Das verteilen wir gleich, jetzt erst einmal der Safety Talk. Das ist das Wichtigste.“ Leon Varley, ausgebildeter Guide mit der Sondererlaubnis, Gäste auch zu Fuß durch den Busch zu führen, lässt keinen Zweifel daran, wo wir uns gerade befinden.

Mitten in der Wildnis, auf Tuchfühlung mit Elefanten, Löwen, Büffeln und Nashörnern. 15.000 Quadratkilometer groß ist der Hwange Nationalpark im Osten Zimbabwes und entspricht damit in etwa der Fläche Schleswig- Holsteins. Vor fünf Stunden hatte uns Leon mit seiner Crew in dem Touristen-Hot- Spot Victoria Falls abgeholt. Wer in das Südliche Afrika kommt, will die berühmten Wasserfälle sehen. Auch wir natürlich, aber erst nachdem wir wieder von unserer Trekkingtour mit Leon zurückgekommen sind. Jetzt sind wir an ein Plateau namens Chakabika hot spring im nördlichen Teil des Hwange Nationalparks.

Es liegt oberhalb eines kleinen Sees, zu dem es regelmäßig große Herden von Elefanten zieht. Im Moment ist von ihnen jedoch nichts zu sehen, dafür schnaubt und grunzt eine Gruppe von Nilpferden im Wasser. Leon hat die Wanderer aus Deutschland um sich geschart. Seine Leute, wie er Fährtenleser Mao, Schwiegersohn Russel, Koch James und Tejo, der so etwas wie „Mädchen für alles“ ist, nennt, hören sich Leons Ausführungen aus der Entfernung an. Sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben.

Pro Tag werden etwa 20 Kilometer zurückgelegt

„Ihr haltet euch an meine Anweisungen, sonst kann ich nicht für eure Sicherheit garantieren“, beginnt Leon und dann legt er los: Wir gehen immer im Gänsemarsch. Leon und Mao vorneweg. Beide haben je ein Gewehr, das sie hoffentlich nicht einsetzen müssen, wie Leon mit ernstem Gesicht betont. Dahinter kommen wir, dann der Rest der Crew. Wir werden pro Tag etwa 20 Kilometer gehen, beim Gehen wird nicht gesprochen, denn wir wollen Tiere sehen und sie nicht verscheuchen. Nach fünf bis sieben Kilometern wird es eine kurze Pause geben. „Alles klar?“ fragt Leon. Wir nicken.

Dann kommt Leon zum Punkt. Verhalten in gefährlichen Situationen. Grundsätzlich gebe es für Begegnungen mit wilden Tieren ein paar klare Regeln, sagt Leon. Beim Löwen zum Beispiel: nicht bewegen und auf keinen Fall in Panik weglaufen. „Löwen greifen dann sofort an.“ Bei Elefanten wiederum müsse man sich langsam zurückziehen und bei Büffeln, nun ja, „da sage ich euch, was ihr dann machen sollt“. Aber in jedem Fall sollen wir die Rucksäcke ablegen, damit wir flexibler sind. Wir werden dies im Laufe der nächsten Tage ein paar Mal erleben. Plötzlich bleibt Leon stehen, hebt die Hand und flüstert ganz leise: „Rucksäcke runter“.

Oft haben wir noch nichts gesehen, weil wir mit gesenktem Kopf hinter Leon her stapfen. Und dann ist es plötzlich zu hören, ein leises Knacken oder ein lautes Trompeten. Leon lotst uns dann ganz langsam in das Dickicht und wir sehen, wie ein Elefant ruhig und würdevoll an uns vorbeizieht. Einmal jedoch wird auch Leon sichtbar nervös. Es ist der dritte Tag. Seit vier Stunden sind wir unterwegs, meist im offenen Gelände. Die Sonne brennt, es gibt keinen Tierpfad, dem wir folgen können, sondern wir kämpfen uns durch kniehohes Gras.

Kaum einer hat einen Blick für die Umgebung. Ganz plötzlich taucht nur zehn Meter von uns entfernt ein Büffel auf. Mao hat ihn zuerst gesehen. Abrupt bleiben wir stehen und lassen die Rucksäcke fallen. Leon und Mao entsichern die Gewehre. Wir halten den Atem an, noch hat Leon keine Anweisung gegeben, was wir tun sollen oder wohin wir rennen sollen. Dann ändert der Büffel seine Richtung und entfernt sich so lautlos wie er gekommen ist. „Das war nah“, brummt Leon und schnallt sich den Rucksack auf. „Weiter geht’s“.

Trekking mit Leon im Hwange Nationalpark folgt einem strikten Ablauf. Gegen 5.30 Uhr morgens kriechen wir aus unseren Zelten. Es ist noch stockdunkel. James und Tejo haben bereits ein Feuer entfacht, machen Wasser für den Tee heiß und rösten Toastbrot. Mit Erdnussbutter bestrichen ist das eine gute Grundlage für den langen Marsch. Dann wird das Lager aufgeräumt. Essenreste und Abfälle werden verbrannt, nichts darf zurückbleiben. Wenn auch die letzte Glut erstickt ist und die Wasserflaschen aufgefüllt sind, geht es gegen 7 Uhr los. Die schweren, überladenen Rucksäcke aufzusetzen, ist jedes Mal ein kraftvoller Balanceakt.

Abwechslungsreiche und unendlich schöne Landschaften  Die ersten Wanderstunden des Tages sind die schönsten. Die Luft ist klar, die Temperaturen sind angenehm und das Licht ist einfach überwältigend. Hinzu kommt, dass die Landschaft in diesem Teil des Parks nicht nur abwechslungsreich, sondern unendlich schön ist. Wir gehen durch ausgetrocknete Flussbette, erklimmen grüne Hügel oder zwängen uns durch enge Steinschluchten. Es gibt waldreiche, dichte Gebiete und dann wieder eine Art offene Savanne. Wir sehen Giraffen, die uns aus der Entfernung neugierig anstarren und wir beobachten fasziniert die Streitereien in einer Gruppe Impalas.

Vorbereitungen für den Lagerplatz

Ab zehn Uhr wird das Gehen merklich anstrengender. Es wird immer heißer und der Rucksack trägt sich immer schwerer. Gegen 13 Uhr erreichen wir meist den von Leon vorgesehenen Lagerplatz. Zwar müssen wir erst unsere Zelte aufbauen, aber doch haben wir als Gäste das große Privileg, uns dann in den Schatten eines Baumes legen zu können. Ganz anders James und Tejo. Sie müssen Wasser holen, und das bedeutet oft genug, im Flussbett erst einmal nach Wasser zu graben.

Quellen, aus denen frisches Wasser sprudelt, gibt es hier nicht. Wenn James und Tejo auf Wasser gestoßen sind, folgt immer das gleiche Ritual. Leon wirft einen prüfenden Blick in den Eimer und entscheidet dann, ob es genügt, das Wasser nur zu filtern oder ob auch noch Chlortabletten zur Desinfektion nötig sind. Muss das Wasser erst entkeimt werden, heißt es noch einmal 30 Minuten warten, bis wir endlich alle unsere Flaschen mit sauberem Wasser füllen können. Dass aus der trüben Brühe irgendwann klares Wasser wird, ist jedes Mal ein kleines Wunder. Zwar ist es immer lauwarm und hat einen leicht metallischen Beigeschmack, doch wenn man völlig erschöpft und durstig ist, gibt es nichts Besseres.

Highlight eines Wandertages mit Leon sind die Nachmittagstouren. Nach einer ausgiebigen Siesta im Lager geht es gegen 16 Uhr wieder los – aber nur mit Wasserflasche und Fernglas. Ohne die sperrigen Rucksäcke können wir jeder Spur folgen. Leons Ehrgeiz ist es, Nashörner zu finden. Und tatsächlich stoßen wir auf unseren nachmittäglichen Streifzügen immer wieder auf Spuren, auch auf sehr frische, wie uns Leon und Moa versichern. Doch zu Gesicht bekommen wir die massigen Tiere nicht. Genauso wenig, wie den Leoparden, dessen Spur wir eine Stunde lang folgen. Dass wir während unserer Wanderung keine Raubkatzen gesehen haben, ist für uns keine Enttäuschung.

Wer eine Walking Safari macht, wie diese Art der Tierbeobachtung im Fachjargon heißt, kann dies nicht unbedingt erwarten. Und vielleicht ist es auch gar nicht so wünschenswert, einem Löwen ohne den Schutz eines sicheren Autos zu begegnen. Was diese Art des Wanderns so einzigartig macht, sind die Erlebnisse und Eindrücke. Wer zu Fuß im Busch unterwegs ist, nimmt die Natur mit allen Sinnen wahr. Der plötzliche Duft einer Pflanze, der hohe Ruf eines Vogels, das geheimnisvolle Knacken eines Baumes. So echt, so ursprünglich, so unmittelbar.

Alle Infos auf einen Blick

ANREISE: South African Airways und Lufthansa fliegen täglich von Frankfurt und München über Johannesburg (Südafrika) nach Victoria Falls.

AUSGANGSPUNKT: Victoria Falls ist Ausgangspunkt für Safaris in den Hwange Nationalpark sowie in den Chobe Nationalpark in Botswana, der direkt an der Grenze zu Zimbabwe liegt. In Victoria Falls ist ein Besuch derWasserfälle das absolute Highlight. Rund um die Fälle hat sich ein großes touristisches Angebot entwickelt wie Rafting, Bungee Jumping, Helikopterflüge und Paragliding. Buchungen z.B. über www.wildhorizons.co.za

ÜBERNACHTUNGSTIPP: Batonka Guest Lodge in Victoria Falls. Neues Guesthouse mit schönem Garten und engagierten Mitarbeitern, www.batonkaguestlodge. com

TREKKING: Leon VarleyWalking Safaris. Angeboten werden fünf- oder sechstägige Touren, entweder als Backpacking (wie im Text beschrieben) oder mit Begleitfahrzeug, www.walkafrica.com