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Auf der Suche nach dem richtigen Yoga-Stil

Bild: shutterstock

Welcher Yoga-Stilpasst zu mir?

Dass es nicht „das Yoga“ gibt, sondern viele verschiedene und immer neue Richtungen und Stile, hat sich inzwischen herumgesprochen. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. Mit unseren Steckbriefen zu klassischen und angesagten Yogastilen erfahren Sie nicht nur, worum es geht, auch, für wen sich welcher Stil eignet.

Hatha Yoga

Bei uns im Westen ist Hatha Yoga wohl die bekannteste Yoga-Form und die „Mutter“ bzw. der Oberbegriff für alle körperorientierten Yoga- Stile. Gleichzeitig ist Hatha Yoga ein eigener Yoga-Stil – statisch und ruhig in der Übungspraxis. Atemübungen, Meditation und Mantrasingen sind neben den Asanas (Übungen) elementar im Unterricht.

Was bringt es? Ideal, um Muskeln, Sehnen und Bänder zu kräftigen und zu dehnen. Auch die inneren Organe werden gut durchblutet und dadurch gestärkt. Die Übungen gleichen das vegetative Nervensystem aus, der Geist wird ruhiger.

Für wen geeignet? Für Anfänger und alle, die es ruhiger angehen möchten. „Auch wer ein besseres Körpergefühl möchte, entspannter und ausgeglichener werden will und gerne singt, ist hier gut aufgehoben!“, weiß unsere Expertin Karo Wagner.

Ashtanga/ Vinyasa Power- Yoga

Sehr dynamisch und anstrengend: Der Körper ist nahezu immer in Action, Atmung und Bewegung sind aufeinander abgestimmt. Die Übungen werden in rascher fließender Abfolge ausgeführt und mit Sprüngen kombiniert. Dadurch entsteht eine Art Bewegungsmeditation – auf spirituelle Praktiken wie Mantrasingen wird verzichtet.

Was bringt es? Trainiert Ausdauer und Herz-Kreislauf-System sowie intensiv den ganzen Körper. Stärkt die Konzentration und beruhigt die Gedanken.

Für wen geeignet? „Für aktive Menschen, die es genießen, ihren Körper zu fordern – und für alle, die über das Körperliche Ruhe im Geist finden möchten”, so Karo Wagner.

Jivamukti Yoga

Eine moderne Form des Vinyasa Yogas, das von einer Tänzerin und einem Künstler in den 1980er Jahren in New York entwickelt wurde. Jivamukti heißt übersetzt „Befreiung der Seele“. Die Musik ist ein tragendes Element und alles ist erlaubt – von Popklassikern bis zu Beethoven. Hauptmerkmal sind die fließenden, teilweise tänzerischen Bewegungsabläufe. Sie wechseln sich ab mit Mantrasingen, Meditationen und Dharma Talk (spirituelle Führung durch den Lehrer).

Was bringt es? Die Übungsstunden sind körperlich intensiv, entspannen und gleichen seelisch aus – und: Sie sind fordernd für den Geist.

Für wen geeignet? „Jivamukti Yoga ist perfekt für körperlich orientierte Leute, die fließendes Vinyasa Yoga und zugleich etwas mehr Anstrengung mögen und Interesse am spirituellen Hintergrund haben“, schwärmt Karo Wagner.

Bikram-Yoga

Der Übungsraum eines Bikram-Kurses ist etwa 38 bis 40 Grad warm. Die Muskeln werden durch die Hitze geschmeidig und besser dehnbar. Eine Sequenz besteht aus 26 Übungen, die jeweils zwei Mal wiederholt werden. Der Stil bietet in spiritueller Hinsicht wenig, dafür ist die körperliche Erfahrung umso intensiver.

Was bringt es? Gut, um körperlich in Form zu bleiben und zu entgiften. Durch die hohe Raumtemperatur kommt man richtig ins Schwitzen und stimuliert den Stoffwechsel.

Für wen geeignet? Für alle, die Hitze gut vertragen und den Detox-Effekt schätzen. Menschen mit Herz- Kreislaufproblemen sollten diese Form aber meiden.

Acro-Yoga

Eine weitere junge Yoga- Art, die erst 2003 von zwei Kaliforniern entwickelt wurde. Während man andere Yogastile in erster Linie alleine auf der Matte übt, trainiert man bei Acro-Yoga mit einem Partner. Der Begriff Acro ist die Abkürzung für Akrobatik, da die Asanas in der Luft ausgeübt werden – auf den Füßen des Partners schwebend. Hinzu kommen Techniken aus der Thaimassage.

Was bringt es? Stärkt Balancegefühl und Konzentration. Die Massagen machen den Körper geschmeidig und reduzieren den Stress.

Für wen geeignet? Man muss weder besonders gelenkig noch erfahren sein, um Acro- Yoga üben zu können. Karo Wagner: „Die Praxis ist für jeden geeignet, der bereit ist, zu berühren und sich berühren zu lassen.“

Hormon-Yoga

Eine Variante, die von der brasilianischen Psychologin und Yogalehrerin Dinah Rodrigues in den 1990er Jahren erfunden wurde. Es soll Hilfe zur Selbsthilfe in allen hormonellen Dingen bieten, da es den Hormonhaushalt auf natürliche Weise harmonisiert. Umstritten ist allerdings, ob Hormon- Yoga den Östrogenspiegel im medizinischen Sinn beeinflusst.

Was bringt es? Spezielle Asanas, Meditationen und eine entsprechende Ernährung regen das weibliche Drüsen- und Hormonsystem an und sollen es auf natürliche Weise in Balance bringen.

Für wen geeignet? Für Frauen, die Unterstützung während der Wechseljahre, bei Menstruationsbeschwerden oder Kinderwunsch möchten und eine Alternative zu Medikamenten suchen.

Vinyasa-Yoga

Als Erfinder gilt Bryan Kest aus Los Angeles, der bereits in den 1980er Jahren Vinyasa unterrichtete. Die Asanas werden zu einem tanzähnlichen Fluss verbunden. Dabei wird die sogenannte Ujjayi- Atmung (ozeanisches Rauschen im Hals) praktiziert. Sie fokussiert den Geist und wirkt beruhigend und entgiftend. Auf Gesang wird verzichtet.

Was bringt es? Vinyasa stärkt gerade bei Anfängern in hohem Maße die Konzentration und Flexibilität. Durch die immer komplexer werdenden Übungen kann jeder zunehmend seine Kraft, Kondition und Achtsamkeit schulen.

Für wen geeignet? „Für alle, die einen dynamischen und körperbetonten Yogastil mögen“, sagt Karo Wagner, „und zum Stressabbau eine ausgleichende Verbindung aus Aktivität und Besinnung ohne religiösen Überbau suchen.“

Iyengar Yoga

Ein sehr körperbetontes Yoga, das auf den spirituellen Aspekt weitgehend verzichtet. Einzelne Stellungen werden bewusst lange gehalten, damit sich die Wirkung entfalten kann. Das setzt große Präzision voraus, deshalb kommen auch Hilfsmittel wie Klötze, Gurte und Stühle zum Einsatz. Eine aufgerichtete Wirbelsäule steht im Fokus.

Was bringt es? Neben Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer wirken bestimmte Übungen auch Haltungsfehlern entgegen.

Für wen geeignet? Für alle, die Präzision und die Hingabe zum Detail auf körperlicher Ebene suchen.

Kundalini-Yoga

Es galt lange als geheim, bis Yogi Bhajan es 1969 in den Westen brachte. Dabei geht es um die Anregung der Energie („Kundalini“), die im Becken sitzen soll. Diese wird durch intensive Atemübungen, Körperhaltungen, reinigende Übungen, Meditation und Mantrasingen aktiviert.

Was bringt es? Der Körper wird kräftiger und flexibler, Ausdauer und Konzentration nehmen zu. Das zeigt sich in einer aufrechteren Körperhaltung, verbesserter Stimmung und stärkeren Nerven.

Für wen geeignet? Für alle, die mehr Wert auf Durchhaltevermögen statt Dynamik setzen und sich für Spiritualität und die Kunst des richtigen Atmens interessieren.