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Naturkosmetik

Bild: shutterstock

Schön natürlich

Naturkosmetik verspricht Pflege ohne schlechtes Gewissen und vor allem ohne kritische Inhaltsstoffe. Doch was kann die grüne Kosmetik wirklich?

Die gute Nachricht: Es gibt sie tatsächlich. Echte Naturkosmetik, die in ihrer Wirksamkeit mit Produkten bekannter Kosmetikmarken aus Parfümerien oder Drogerien durchaus konkurrieren kann. Das Problem: Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff. Hersteller und Verbände haben daher eigene Kriterien festgelegt und Gütesiegel entwickelt. Dies führt jedoch dazu, dass es mittlerweile eine Vielzahl von Siegeln gibt. Für Kunden, die auf Naturkosmetik umstellen wollen, ist es schwierig, sich im Siegel-Wirrwarr zurechtzufinden. Zumal viele Hersteller sich von mehreren Verbänden zertifizieren lassen und es durchaus vorkommen kann, dass auf einer Handcreme gleich drei Siegel prangen.
Dennoch gibt es ein paar Entscheidungshilfen. Seriöse und vertrauenswürdige Siegel sind NATRUE, Ecocert, BDIH-kontrollierte Natur-Kosmetik und Demeter. Alle Siegel haben strenge Auflagen und ein nachvollziehbares Kontrollsystem. Ist eines dieser Siegel auf einer Verpackung, kann man sich sicher sein, tatsächliche Naturkosmetik zu kaufen.

Was ist überhaupt Naturkosmetik?

Das wichtigste Merkmal von Naturkosmetik ist der Verzicht auf künstliche Inhaltstoffe, Paraffine (Erdöl) und Silikone sowie andere Erdölprodukte. Auch synthetische Duftstoffe werden bei Naturkosmetika nicht verwendet. In den Produkten selbst sind meist nur pflanzliche Stoffe sowie Stoffe mineralischer und tierischer Herkunft enthalten. Zu tierischen Stoffen zählen etwa Bienenwachs oder Lanolin (Wollfett). Vegan ist Naturkosmetik daher nicht automatisch. Wer auf vegane Naturkosmetik Wert legt, muss zusätzlich auf das vegane Siegel achten.

Auch ist Naturkosmetik nicht automatisch Bio-Kosmetik. Zwar enthalten die meisten Naturkosmetika Inhaltsstoffe wie etwa Pflanzenöle, die biologisch erzeugt sind. Viele Hersteller können jedoch keine 100-prozentige Bio-Qualität garantieren, weil ein Teil der verwendeten Pflanzen oder Extrakte aus konventionellem oder nicht zertifiziertem Anbau stammt. Soll die Naturkosmetik auch Bio-Kosmetik sein, müssen auf der Packung noch das Bio-Siegel oder das Demeter-Siegel sein. Auch ein Blick auf die Labels selbst hilft weiter. So unterscheidet etwa das NATRUE-Siegel zwischen Naturkosmetik und Bio-Kosmetik.

Aber wie gut ist nun die Naturkosmetik?

Fest steht: Der Forschungsaufwand, der in den Laboren der Naturkosmetikhersteller betrieben wird, unterscheidet sich kaum von dem großer Konzerne. Pharmazeuten, Biologen, Chemiker und Lebensmitteltechniker arbeiten auch hier mit Hochdruck an der Weiterentwicklung der Wirkstoffe oder der Entdeckung neuer Wunderpflanzen – auch weil die grüne Kosmetik boomt. Der Unterschied zu anderen Herstellern besteht neben den natürlichen Inhaltsstoffen auch im Verfahren und der Weiterverarbeitung. So findet die Aufbereitung der Pflanzen vor allem auf physikalischem Weg – etwa durch Pressung – statt. Erlaubt sind außerdem enzymatische und mikrobiologische Verfahren.

Wie verträglich ist Naturkosmetik?

Sanft und verträglich, das wird meist mit Naturkosmetik assoziiert. Die Logik dahinter: Was aus der Natur kommt, ist natürlich und muss deshalb gut tun. Für Menschen, die unter Allergien leiden oder sehr empfindliche Haut haben, kann diese Einschätzung jedoch fatal sein. Viele Pflanzen oder deren Extrakte sind höchst wirksam– und genau deshalb unter anderem für die Arzneimittelforschung so interessant. Aber auch Pflanzen haben Nebenwirkungen. So ist etwa bekannt, dass Teebaumöl, aber auch Vanille und Schafgarbe bei manchen Menschen zu Hautreaktionen führen. Statt die Haut zu beruhigen, wird sie gereizt. Wer bereits ohnehin unter Allergien leidet, sollte auch bei Naturkosmetik vorsichtig sein und sie zunächst an der Ellenbeuge testen.

Wie sicher ist Naturkosmetik?

Produkte werden ohne synthetische Konservierungsstoffe hergestellt, es besteht also theoretisch die Gefahr, dass sich in den Cremes Keime bilden. Aber: Hersteller müssen die mikrobiologische Sicherheit ihrer Erzeugnisse gewährleisten. Das Konservieren von Erzeugnissen mit rein natürlichen Mitteln ist jedoch schwierig und erfordert spezielles Fachwissen. Siegel wie NATRUE und BDIH erlauben daher die Verwendung von bestimmten naturidentischen Konservierungsstoffen. Dies muss jedoch auch der Packung klar gekennzeichnet sein.

Tipp: Generell sind Tuben empfehlenswerter. Hier ist die Öffnung kleiner und eine mögliche Keimbelastung sehr viel geringer. Cremes sollten außerdem bei einer Temperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius gelagert werden. Ein Spatel hilft, eine mögliche Keimbelastung, die mit dem Finger übertragen werden könnte, zu vermeiden. Und wenn ein Spatel gerade nicht zu Hand ist? Vor dem Eincremen immer die Hände waschen.