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Medaille

Go for Gold

Erfolg im Sport ist nicht nur eine Frage von Kraft, Kondition und Technik, sondern auch von mentaler Stärke. Und die lässt sich trainieren – mit vielen positiven Effekten für Alltag und Job. Was man dabei von Spitzensportlern lernen kann, das erklärt die renommierte Motivationstrainerin Antje Heimsoeth.

 Spitzensportler sind extrem fokussiert. Sie konzentrieren sich jeden Tag nur auf das, was sie ihren Zielen näherbringt. Was um sie herum passiert, blenden sie aus: Die Zehntausende von Menschen im Stadion, die Millionen vor den Bildschirmen, die Erwartungen der eigenen Familie oder von penetranten Journalisten, die um sie herumscharwenzeln. Klar – Spitzensportler wissen ja auch, dass Konzentration im Wettkampf Gold wert ist. Dass sehr gute Konzentration positive und unterstützende Gedanken braucht. Und Selbstvertrauen. Denn unsere innere Einstellung, unsere Gedanken und Glaubenssätze bestimmen unser Handeln und damit unseren Erfolg – sowohl im Spitzensport als auch im Alltag.
Antje Heimsoeth, einer der renommiertesten Mentalcoaches in Deutschland, weiß: „Mentale und emotionale Stärke ist ein entscheidender Faktor im Wettbewerb.“ Bedeutet: Eine Spitzensportlerin wie beispielsweise Tennisstar Angelique Kerber wäre bei allem Talent, aller Kraft, Kondition und Technik niemals Grand-Slam-Siegerin geworden, wenn sie an sich selbst gezweifelt hätte. Grund: Wenn der Kopf blockiert ist, bremst er sich selbst aus. Den Erfolg fahren dann mental Stärkere ein. „Der größte Gegner steht nicht auf dem Tennisplatz oder sitzt am Verhandlungstisch – der ärgste Widersacher sitzt zwischen unseren Ohren“, so Antje Heimsoeth.

 Wie genau die innere Stimme zum Unterstützer wird, lässt sich bei Profi-Sportlern immer wieder beobachten: Sie führen vor und während eines Wettkampfs häufig Selbstgespräche, geben sich Anweisungen, klopfen sich auf die Oberschenkel, machen sich Mut. Antje Heimsoeth kennt die Tricks, mit denen sich Unsicherheit in Mut verwandeln lässt, aus Zweifeln Zuversicht wird und aktives Handeln Versagensängste ausschaltet. Ob im Job, Sport oder Privatleben – Erfolg ist keine Glücksache, die nur wenigen Talentierten zugänglich ist. Erfolg ist erlernbar. Antje Heimsoeth nennt hier vier Basis-Strategien und sieben Übungen, die täglich angewendet zu mehr Lebensqualität und Erfüllung führen.

1.Innerer Dialog
Der erste Schritt, damit auch Sie Ihr Potenzial im Job oder im Alltag voll ausnutzen können, ist der Aufbau von Selbstvertrauen, also vom Glauben an sich und Ihre Leistungsfähigkeit. Antje Heimsoeth: „Wer vor einer Herausforderung steht, schwankt oft zwischen Zuversicht und Selbstzweifeln. Das geht Spitzensportlern im Turnier genauso wie Ihnen vor einer wichtigen Präsentation. Entscheidend ist, dass die Zuversicht die Oberhand behält. Das können Sie mit einem inneren Dialog beeinflussen.

2. Positive Bilder
Viele Spitzensportler nutzen Ihre geistige Vorstellungskraft, um sich auf einen Wettkampf vorzubereiten. Sie stellen sich etwa vor, wie sie den Pokal in die Höhe stemmen, sie hören den Jubel der Zuschauer und spüren, wie die Glücksgefühle sie durchströmen. Solche Bilder bzw. inneren Filme führen sie sich regelmäßig vor Augen. Denn für ein starkes Selbstbewusstsein ist es entscheidend, dass wir mit positiven Bildern statt mit Bildern voller Angst aufs Spielfeld, zu einem Vorstellungsgespräch oder zu einer Verabredung gehen. Das Unterbewusstsein greift stets auf die gespeicherten Bilder zurück – und die können uns, je nachdem, womit wir unsere innere Leinwand füllen, unterstützen oder schwächen.

3.Stärken stärken
Erinnern Sie sich, wann Sie das letzte Mal an eigene Erfolge, kleine oder große, erlebt haben? Wann Sie sich zuletzt Ihre Stärken vor Augen geführt haben? Lange her? Das liegt auch daran, dass wir unsere Aufmerksamkeit eben vor allem auf Negatives und Defizite richten. Bis zu 60.000 Gedanken gehen uns täglich durch den Kopf, in der Mehrheit leider negative. „Dabei kann man aus Erfolgserlebnissen und dem Wissen um die eigenen Talente und Fähigkeiten sehr viel Energie ziehen“, erklärt Antje Heimsoeth. Wer sich seiner Stärken bewusst wird, geht selbstsicherer und mental gestärkt an Herausforderungen heran. Was können Sie also besonders gut? Welche Erfolge konnten Sie schon feiern? Wofür bekommen Sie Lob? Welche Eigenschaften schätzen andere an Ihnen?

4.Konkrete Ziele
Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg hatte zu Beginn seiner Karriere nur ein Ziel vor Augen: Weltmeister werden! Das Ziel hat er erreicht, indem er wie ein Bergsteiger Schritt für Schritt den Berg hochgekraxelt ist und sich dabei Etappenziele setzte. Das können Sie privat wie geschäftlich genauso machen. Beispiel: den ersten Halb-Marathon bis Herbst 2017 laufen, bis 2018 Regionalleiterin werden. Nach dem Spanisch-Grundkurs auf dem Markt im nächsten Barcelona-Urlaub eigenständig Obst und Gemüse einkaufen etc.

 

Gewohnheit durchbrechen

Mach es anders!

Von der Falle der Gewohnheit zu neuem Wohlfühlglück: Wie Sie es schaffen, achtsamer mit sich umzugehen und das Leben ein Stück weit neu zu entdecken!

Jeden Tag die gleichen Handgriffe, die gleichen Wege, die gleichen Gespräche – viele Menschen sind gefangen in ihrem Alltagstrott. Obwohl sie spüren, dass ihnen etwas fehlt, wagen sie es nicht, diese Routine zu durchbrechen. Die Psychologin und Psychotherapeutin Beate Handler lädt in ihrem neuen Buch „Mach es anders“ (Goldegg Verlag) dazu ein, den Alltag nach Routinen zu durchforsten, Ausreden aufzuspüren, sich auf Mach-es-anders-Experimente einzulassen oder aber auch so manche „liebe Gewohnheit“ bewusst in ein Genussritual zu verwandeln.

active woman: Sind Gewohnheiten per se etwas Schlechtes?

Beate Handler: Die eine Seite von Gewohnheiten bietet Erleichterung und Fortschritt, die andere Seite Hindernisse und Stillstand und es gibt da auch noch die sogenannten liebgewonnenen Gewohnheiten. Angst vor Veränderung kann dazu führen, dass Menschen sich in sichere Zonen zurückziehen und zulassen, dass fixe Abläufe das Leben übernehmen. Überall lauern Gewohnheitsfallen, die das Leben grauer machen: im Denken und Handeln, im Haushalt, in der Freizeit, auf der Arbeit, in der Beziehung. Und sogar liebgewonnene Gewohnheiten können von diesem Grauschleier überzogen werden.

Muss ich nun meine Welt komplett auf den Kopf stellen, um jeden Tag anders zu gestalten?

Keine Sorge (schmunzelt). Ich persönlich schätze auch die Gleichmäßigkeit und verabscheue Veränderungen, die meinen Alltag durchrütteln. Aber ich liebe es trotzdem, immer wieder mal etwas ein bisschen anders zu machen. Es ist oft effektiv genug, Kleinigkeiten wie das tägliche Geschirrabwaschen, das Zähneputzen, den Weg zur Arbeit oder die Joggingrunde aus einer anderen Perspektive zu betrachten und mal leicht abzuändern. Auch in Partnerschaft und Berufsalltag darf ein frisches Lüftchen hineinwehen.

Wie kann das gelingen?

Mein Anliegen ist es, zum Hinschauen auf Gewohnheiten zu animieren und den Gewohnheiten somit Achtsamkeit zu schenken. Achtsamkeit bedeutet, sich dessen bewusst zu sein, dass wir etwas Bestimmtes tun. Wir sind mit allen unseren Sinnen bei einer Sache. Wir tun etwas nicht automatisch, sondern durchbrechen zumindest für einen Augenblick einen Ablauf. Sei es um festzustellen, dass es sich dabei um einen unerlässlichen automatisierten Ablauf handelt oder um etwas, das es wert ist, es zu einem neuen Erlebnis auszubauen. Achtsamkeit ist auch die Grundlage, um etwas zu genießen, oder sich an etwas erfreuen zu können.

Ihrer Meinung nach befinden sich die Menschen allzu häufig im Doing-Modus. Was ist damit gemeint?

Der Doing-Modus ist auf Leistung konzentriert und ergebnisorientiert, ein echter Automatismus. Das mag in vielen Fällen sinnvoll sein, weil uns der Alltag mit seinen vielen kleinen Aufgaben sonst überfluten würde. Doch ich plädiere dafür, öfter mal in den Being-Modus zu schalten und – auch bei Alltagsroutinen wie beispielsweise dem Duschen, der Kaffee- oder Teezubereitung – genauer hinzuschauen, auch kleine Dinge wahrzunehmen.

Das ist wie bei einer Wanderung zu einer Almhütte: Im Doing-Modus befindet sich jemand, der quasi mit Scheuklappen voraneilt und nur die Hütte vor Augen hat. Die satte, grüne und vor Schönheit überquellende Natur mit all ihren kleinen Wundern, an denen der Wanderweg vorbeiführt, würde er dann gar nicht wahrnehmen. Glücklicherweise befindet sich die Mehrzahl der Menschen bei einer solchen Wanderung sehr wohl im Being-Modus und nimmt die Formationen der Landschaft, die Farbenpracht der Vegetation, die Vielfalt der Tierwelt, die Wasserläufe oder Seen, die Wolken am Himmel, die Temperatur und Beschaffenheit von Luft und Boden sowie, nicht zu vergessen, auch sich selbst und wie man sich durch die Landschaft bewegt, ganz bewusst wahr.

Und wie schaltet man in den Being-Modus?

Mit kleinen Mach-es-anders-Experimenten. Es ist zwar zwar schwierig, Gewohnheiten völlig abzulegen, aber es ist leicht, bestimmte Gewohnheiten zu hinterfragen. Alleine mit der achtsamen Auseinandersetzung meiner Gewohnheiten hole ich mir den Gewohnheitsvorgang ins Bewusstsein und unterbreche so einmal die Gewohnheitsschleife und befinde mich damit im Being-Modus.

Bleiben Sie beim Gehen kurz stehen und betrachten Sie aufmerksam die Farbe des Himmels und die Wolken. Versuchen Sie beim Treppensteigen einmal innezuhalten und genau zu überlegen, was alles nötig ist, um die nächste Stufe zu erreichen. Putzen Sie sich die Zähne mal im Kopfstand – aber nein, ehrlich, es reicht, wenn Sie hin und wieder die linke statt der rechten Hand bzw. umgekehrt nehmen. Wenn Sie sich Chips gönnen, dann knabbern Sie diese nicht nebenbei. Schmecken Sie die Kartoffelscheiben bewusst, beachten Sie dabei Würze und Konsistenz. Warten Sie einige Sekunden ab, bevor Sie noch einmal zugreifen.

Indem ich etwas bewusster wahrnehme, gelingt auch die Veränderung?

Zunächst werden Alltagsroutinen neu abgesteckt und intensiver wahrgenommen. Damit machen Sie sich die Zeit bewusster, empfinden Fühlen, Sehen, Riechen, Hören oder Schmecken intensiver. Wenn Sie so durchs Leben gehen, erleben Sie viele kleine und große Momente des Wohlfühlglücks – und das auch ohne gewaltige Veränderungen. Kleine Schritte genügen!

Gibt es etwas, was Sie persönlich so verändern konnten?

Wenn ich zum Beispiel mit der Bahn eine Reise mache, bin ich davor immer nervös und besorgt, nur ja rechtzeitig am Bahnhof zu sein. Eine Gewohnheit, die ich, seit ich mich erinnern kann, habe und die ich schwer unterbinden kann. Ich möchte daher unbedingt schon eine halbe Stunde vor der Abfahrt am Bahnhof sein. Ich habe bereits fleißig daran gearbeitet, hier Veränderungen zu erwirken, und kann auch schon Erfolge verbuchen.

So reicht es mir mittlerweile auch schon, dass ich eine Viertelstunde vor der Abfahrt eines Zuges am Bahnhof bin und diese gewonnene Zeit noch genussvoll an einem schöneren Ort als einem Bahnhof verbringen kann, und ich kann mittlerweile zu lockeren Terminen auch etwas zu spät kommen.

Motivation - wie geht das

Die Kunst, sich zu motivieren

Die Beine sind wie Blei, alles tut weh und die Laufstrecke nervt sowieso. Aufhören oder sich weiterquälen? Weder noch. Besser ist es, sich jetzt selbst zu motivieren – und vor allem cool zu bleiben.

Mit dem Laufen ist es ja so eine Sache. An manchen Tagen läuft sich die Runde durch den Stadtpark wie von selbst und dann gibt es Tage, an denen man sich fragt, was das soll. Für Dr. Michael Gutmann, leitender Psychologe beim Deutschen Leichtathletik Verband, ist das ganz normal. „Einen Durchhänger zu haben, gehört zum Sport einfach dazu. Jeder hat das schon einmal erlebt. Entscheidend ist nur, wie man damit umgeht.“ Denn dass das Laufen im Moment schwer falle, sei gar nicht das Problem, so der Sportpsychologe. „Zum Problem wird der Hänger, wenn man anfängt, hochzurechnen. Also sich die zwei Kilometer vorstellt, die noch vor einem liegen, oder den Berg, den man ja auch noch hoch muss. Und sich dann fragt, wie soll ich das schaffen, wenn ich jetzt schon so schlecht drauf bin?“

Durchhänger

Sich reinsteigern, nennt Michael Gutmann das. Besser sei es, das momentane Tief zu ignorieren und gelassen zu bleiben. Also sich zu sagen: „Ich laufe jetzt erst mal weiter und schau mal, wie es sich entwickelt.“ Denn: Auch diese Erfahrung haben die meisten ja schon gemacht: Ein Durchhänger geht auch wieder vorbei. Und rückblickend erscheinen das Ziehen in der Wade, das Seitenstechen oder das angestrengte Atmen als gar nicht schlimm.

Gelassenheit

Zur Gelassenheit rät der Psychologe auch, wenn man beim Joggen im Park mal wieder überholt wird. Denn vielleicht sind die forschen Läuferinnen gerade einmal zehn Minuten unterwegs, während man selbst schon seit 40 Minuten läuft.

Der Kopf läuft mit

Ohnehin spielen die Gedanken eine wichtige Rolle. „Der Kopf läuft immer mit“, sagt der Psychologe. Egal ob im Training oder in einer Wettkampfsituation, ständig reden wir mit uns selbst. Diese Selbstgespräche können uns nach unten ziehen, aber auch motivieren. Doch wie schafft man es, sich selbst zu motivieren? Wichtig ist es, so Michael Gutmann, dass die Selbstgespräche vom Grund her positiv sind. Also sich nicht sagen, dass man total langsam und ohnehin die schlechteste in der ganzen Laufgruppe ist, sondern, dass man die Strecke auch schon in einer guten Zeit gelaufen ist.

Anfeuern

Als beste Motivation gilt das Anfeuern. So schwärmen etwa Marathonläufer von der lautstarken Unterstützung der Zuschauer am Straßenrand, die sie in das Ziel getragen habe. Kann man diesen Effekt für sich nutzen? Etwa indem man sich selbst „Du schaffst es, halt durch“ zuruft oder gar laut „Tschakka“ schreit? Michael Gutmann ist da eher skeptisch. „Ein Marathon ist eine Grenzbelastung. Psychisch und körperlich geht man an den Rand seiner Möglichkeiten. Die Unterstützung durch Zuschauer oder Trainer kann helfen, aus einem Loch herauszukommen. Aber beim Laufen gibt es keine Wunder. Dass allein die Anfeuerungen der Zuschauer zu Höchstleistungen führen, ist ein Mythos.“

Tschaka

Nach Gutmanns Erfahrung hilft Marathonläufern vielmehr die eigene mentale Stärke. „Wer weiß, dass er sich gut vorbereitet hat und gut trainiert ist, steht auch ein Tief durch.“ Dennoch will der Sportpsychologe niemanden vom „Tschakka“ abhalten, auch wenn das momentane Hochgefühl meist sehr schnell wieder verschwindet. Die beste Motivation, um beim Laufen durchzuhalten, ist ein klares Ziel, so der Rat des Psychologen. Das kann der Halbmarathon in vier Monaten sein oder ein konkreter Plan, etwas für die Gesundheit zu tun. „Wer weiß, warum er Sport macht, kann sich selbst am besten motivieren.“

Reiten - Stärt Körper, Geist und Seele

Auszeit auf vier Hufen

Entspannung, Bewegung oder einfach nur der Umgang mit dem Sportpartner Pferd – es gibt mehr als nur einen Grund, in den Sattel zu steigen. Wir zeigen, warum Reiten Körper, Geist und Seele stärkt.

Das kennen wir wohl alle: Der Chef macht Stress, der Partner nervt und die beste Freundin hat mal wieder keine Zeit. Von Zufriedenheit oder Spaß keine Spur. Einfach mal raus aus dem ganzen Trubel und für ein paar Stunden entspannen, durchatmen und zur Ruhe kommen – das wär’s.

Aber wie?

1,2 Millionen Menschen in Deutschland finden die nötige Dosis Auszeit im Umgang mit Pferden. Zwar ist in Bezug auf das Erlernen des Reitsports oft das Bild von lachenden Kindern auf einem Pony weit verbreitet, doch für das Reiten ist es nie zu spät – einsteigen kann jeder, egal in welchem Alter. Auf den Rücken eines Pferdes kann man schließlich nicht nur mit einer leistungssportlichen Absicht steigen – die Zahl der Freizeitreiter, die einfach bei einem gemütlichen Ausritt entspannen und die Geselligkeit in der Stallgemeinschaft genießen wollen, ist um ein Vielfaches größer. Einfach rein in den Sattel und raus in die Natur. Dabei kann sich auch die Beziehung zum Pferd positiv auf Seele und Geist auswirken.

Reiten macht den Kopf frei

„Im Stall kann ich einfach wunderbar abschalten“, erzählt Annabel Winter, die schon beim Putzen und Satteln den Ärger eines langen Arbeitstags vergisst. „Ein Pferd verlangt immer hundertprozentige Aufmerksamkeit. Platz für berufliche oder private Probleme gibt es in diesem Moment einfach nicht.“ Das weiß auch Melissa Baumgartner, die als Reitlehrerin Anfänger und Fortgeschrittene schult: „Während zum Beispiel beim Schwimmen, Joggen oder auf dem Fahrrad die Gedanken nicht aufhören zu kreisen, erlaubt sich der Reiter auf dem Pferd eine echte gedankliche Auszeit.“

Der Grund: Er ist einfach so gefordert, dass er sich ausschließlich auf das Zusammenspiel mit dem Pferd konzentrieren muss. Für andere Gedanken ist da kein Platz. Abschalten und den alltäglichen Stress vergessen – das entspannt die Seele, auch wenn es vor allem Reitanfängern zunächst vor lauter Anstrengung gar nicht bewusst wird.

Reiten schult die Koordination

Im Reitstall gilt sowieso der Grundsatz: In der Ruhe liegt die Kraft. Hektik oder Nervosität haben in der Gegenwart von Pferden nichts verloren. Als Fluchttiere verlangen sie nach einem souveränen und gleichzeitig behutsamen Umgang. „Das ist auch der Grund, warum sich die meisten Reiter ganz automatisch zusammenreißen, wenn sie im Stall sind“, beobachtet Melissa Baumgartner immer wieder. Ein Pferd reagiert sofort darauf, wie man es behandelt.

„Sie geben einem das zurück, was ihnen entgegengebracht wird“, erklärt die 34-Jährige. Im Sattel Platz genommen, muss der Reiter eine Menge Koordinationsarbeit leisten: Ist der Oberkörper aufrecht? Ist der Absatz der tiefste Punkt? Allein der Grundsitz verlangt eine hohe Koordinationsfähigkeit des Reiters, da er sich mit Rhythmusgefühl und Gleichgewichtssinn der Bewegung des Pferdes anpassen und Arme, Hände, Oberkörper sowie die Beine unabhängig voneinander einsetzen muss.„Das ist am Anfang ganz schön viel auf einmal“, erinnert sich Annabel Winter an ihre ersten Reitstunden.

„Aber mit der Zeit automatisiert sich vieles von ganz allein – und wenn es dann klappt, ist es ein unbeschreiblich schönes Gefühl.“ Erschwerend kommt hinzu, dass die Bewegungen eines Pferdes nicht immer zu 100 Prozent kalkulierbar sind. „Das Pferd ist nun mal ein Lebewesen“, erklärt Melissa Baumgartner. „Manchmal trödelt es gemütlich vor sich hin, plötzlich ist es voller Energie und schießt oder buckelt los.“ Situationen, die hohe Ansprüche an den Gleichgewichtssinn und das Wahrnehmungsvermögen des Reiters stellen. Sich sicher auf dem Pferderücken zu bewegen und stets die nötige Balance zu halten, fällt mit zunehmender Routine aber immer leichter. „Sind Anfänger zunächst noch unsicher, wächst schon nach einigen Reitstunden die Sicherheit im Sattel“, so Baumgartner.

Reiten trainiert die Muskulatur

Ist Reiten überhaupt ein Sport? Diese Frage hat wohl jeder Reiter schon einmal gehört. Schließlich laufe ja das Pferd und nicht der Reiter. Ein Vorurteil, über das Melissa Baumgartner nur schmunzeln an: „Im Sattel werden Muskeln beansprucht, von denen die Meisten vorher nicht einmal gewusst haben, dass es sie gibt.“ Aller Anfang ist nämlich auch beim Reiten schwer. Das hat auch Annabel Winter erfahren: „Nach meinen ersten Reitstunden hatte ich einen ganz schönen Muskelkater – vor allem in den Oberschenkeln und im Gesäß.“

Das wundert nicht: Da der Körper sich permanent den Bewegungen des Pferdes anpassen und Ausgleichsbewegungen machen muss, werden beim Reiten nahezu alle Muskelgruppen beansprucht, die ein Mensch besitzt. Dazu hat das Reiten sogar eine hohe gesundheitsunterstützende Funktion. „Der Pferderücken gibt eine nahezu ideale Körperhaltung vor“, weiß Melissa Baumgartner. „In der normalen Sitzhaltung nehmen die Hüftgelenke und das Becken auf dem Pferd eine Position ein, die die Bandscheiben entlastet. Gleichzeitig wird die Rückenmuskulatur bewegt und aufgebaut. Dadurch wird der Halteapparat insgesamt bei geringer Belastung gestärkt und die Wirbelsäule langfristig entlastet.“ Ein Prozess, der sogar Rückenschmerzen vorbeugen kann.

„Ein Pferd verlangt immer hundertprozentige Aufmerksamkeit. Platz für berufliche oder private Probleme gibt es in diesem Moment einfach nicht.“

Immer an der frischen Luft

„Durch die Zeit im Reitstall bin ich immer auch an der frischen Luft“, beschreibt Annabel Winter einen weiteren Vorzug. Im Sommer eine Selbstverständlichkeit, muss in der kalten Jahreszeit sicher das ein oder andere Mal der innere Schweinehund überwunden werden – schließlich sind in der Regel weder die Halle noch der Stall beheizt. „Wenn ich mich dann aber aufgerafft habe, fühle ich mich hinterher richtig befreit und bin froh, etwas für mich getan zu haben.“ Denn auch bei kaltem Wetter ist es sinnvoll, sich regelmäßig im Freien zu bewegen. So wird das Immunsystem optimal gestärkt.

Reiten – Sport mit einem Lebewesen

Reiten ist auch schon deswegen ein besonderer Sport, weil hier zwei Lebewesen zusammenarbeiten müssen: Reiter und Pferd. Dabei ist das Pferd nicht einfach ein Sportgerät, sondern es hat eigene Instinkte und besondere Verhaltensweisen, die ein Reiter kennen muss. „Jeder Reiter muss wissen, was zu tun ist, damit das Pferd versteht, was es tun soll“, erklärt Melissa Baumgartner. Und das bezieht sich nicht nur auf die Zeit im Sattel, wo das Wissen über den Sitz und die Hilfengebung oder die Regeln in der Reitbahn eine Rolle spielen. Rund um das Thema Pferd gibt es viel mehr zu lernen: angefangen vom richtigen Annähern an ein Pferd, über das Führen und Putzen bis hin zum Anbringen von Sattel und Trense. „Ziel ist es, harmonisch und gemeinsam mit dem Pferd zu agieren“, so die Expertin. Und wem das gelingt, der ist spätestens dann vom berüchtigten „Pferdevirus“ infiziert und wird die Auszeit vom Alltag sicher des Öfteren im Stall suchen.

Reiten lernen

Auch Späteinsteiger können das Reiten problemlos erlernen. Los geht’s an der Longe. Dabei hält der Reitlehrer das Pferd an einer langen Leine, es läuft im Kreis. Anfänger können sich so vollständig auf ihren Sitz und ihr Gleichgewicht konzentrieren. Wie lange das Reiten an der Longe nötig ist, hängt vom Reiter ab. In der Regel braucht ein Anfänger sechs bis zwölf Einheiten, bis er das nötige Gleichgewichtsgefühl hat, um selbstständig die Balance zu halten.

Kosten

Nicht alle Reitvereine bieten Stunden für Anfänger an. Manche haben auch gar keine Schulpferde. Der jeweilige Kreisreiterverband informiert über geeignete Reitschulen. Eine Reitstunde kostet im Durchschnitt zwischen 10 und 30 Euro – abhängig von der Stadt und davon, ob es eine Einzelstunde oder ein Kurs ist.

Ausrüstung

Wer mit dem Reiten beginnt, muss nicht die teuerste Ausrüstung kaufen. Es reichen eine Reitkappe, eine gut sitzende Jeans mit flacher Innennaht, die genügend Bewegungsfreiheit bietet, und Schuhe mit zirka zwei Zentimeter hohen Absätzen.

Prophylaxe - Gesundheitsmanagement in Betrieben

Und in der Mittagspause zum Training

Dass Sport und Bewegung nicht nur gut tun, sondern auch eine Prophylaxe-Funktion haben, ist längst bekannt. Dennoch gelingt es den wenigsten, Job und Sport im Alltag unter einen Hut zu bekommen. Interne Sport und Gesundheitsprogramme von Unternehmen werden daher immer wichtiger.

Betriebssport – das klingt nach Rückenschule und Fußballspielen. Und tatsächlich zählen diese Klassiker nach wie vor zu den beliebtesten Sportangeboten in den Unternehmen. Doch das, was sich früher Betriebssport nannte, ist heute Teil des Gesundheitsmanagements oder besser Prophylaxe eines Unternehmens.

Und dazu gehören Ernährungsberatung und Seminare zur Stressvermeidung ebenso wie Kurse zu Trendsportarten wie Mountainbiken, Bouldern und Yoga. Bei den Mitarbeitern kommt ein solches Engagement gut an. Für eine Studie zum Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement aus Sicht der Arbeitnehmer – was wird geboten, gewünscht und genutzt“ befragte die Versicherung „Die Continentale“ 600 Menschen zu ihrer Zufriedenheit mit dem Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz.

Gut genutzt

Das Ergebnis der 2013 veröffentlichten Studie ist eindeutig: Betriebliches Gesundheitsmanagement wird rege genutzt, wenn es angeboten wird. Je 69 Prozent der Arbeitnehmer nehmen medizinische Maßnahmen sowie das auf Gesundheit ausgerichtete Ernährungsangebot ihres Betriebs wahr – oder haben das in der Vergangenheit bereits getan. 68 Prozent besuchen entsprechende Trainings und Seminare.

Gibt es die Möglichkeit, die Pausen aktiv zu gestalten, tun dies auch 53 Prozent und immerhin noch 46 Prozent lassen sich nach der Arbeitszeit von den Sportangeboten ihres Arbeitgebers animieren. Dabei dürfte es auch gerne mehr sein: Von den Beschäftigten, die entsprechende Angebote nicht erhalten, wünschen sich 81 Prozent medizinische Angebote an der Arbeitsstelle. Auf gesunde Ernährung zum Beispiel in der Kantine legen 77 Prozent Wert, 70 Prozent stehen Seminaren sehr offen gegenüber. Und dass in den Pausen beispielsweise Entspannungsübungen angeboten werden, wünschen sich 57 Prozent.

Die Fitnesswerkstatt

In der Mittagspause zum Yogakurs oder in das unternehmenseigene Fitnessstudio, das ist beim deutschen Automobilzulieferer OKE mit insgesamt 1.450 Mitarbeitern ganz selbstverständlich. Vor zehn Jahren wurde am Standort Hörstel in Westfalen ein professionelles Gesundheitsmanagement eingeführt. Mittlerweile kümmern sich Vollzeitkräfte sowie mehrere Trainer in Teilzeit um das Wohlergehen und die Fitness der rund 500 Mitarbeiter.

Investition in die Gesundheit

Einmal pro Woche kommt außerdem ein Physiotherapeut. Am Standort Goslar mit 250 Mitarbeitern sind aktuell ein Gesundheitsmanager sowie mehrere Fitnesstrainer im Einsatz. Trainiert wird an beiden Standorten in großzügigen und hellen Trainingsräumen sowie bestens ausgestatteten Krafträumen. Fitnesswerkstatt heißt das bei OKE und die Bezeichnung umschreibt treffend, worum es dem Automobilzulieferer geht. „Das Unternehmen betreibt einen enormen Aufwand, um die Maschinen zu warten. Es ist aus unserer Sicht nur logisch, dass wir auch in die Gesundheit der Mitarbeiter investieren“, erklärt Marketingleiterin Jessica Franke das Konzept. „Rückenschmerzen und Verspannungen sind Beschwerden, die jeder kennt und die natürlich das tägliche Leben und die Arbeit beeinträchtigen.“

Bei OKE kann praktisch rund um die Uhr trainiert werden. In der Produktion wird in mehreren Schichten gearbeitet, in der Verwaltung gibt es Gleitzeit. Das Gesundheitsangebot ist darauf abgestimmt. Während die einen zum Frühsport gehen, nutzen andere die Fitnesskurse am Feierabend oder gehen in der Mittagspause zum individuellen Rückentraining. Denn das Unternehmen bietet den Mitarbeitern auch ein Personal Training. „Es bringt nichts, einfach nur ein paar Geräte aufzustellen. Jeder kann bei uns daher ein persönliches Training machen und individuelle Ziel festlegen“, so Jessica Franke.

Hinzu kommen Events und Outdoor-Aktivitäten. Die Teilnahme an Staffel-Marathons, Mountainbike-Kurse und Lauftreffs sind ebenso fester Bestandteil wie das gemeinsame Kicken im firmeneigenen Sportpark in Hörstel. Für das Unternehmen ist das Gesundheitsprogramm ein voller Erfolg. So hat im vergangenen Jahr fast jeder Mitarbeiter mindestens ein Angebot in Anspruch genommen. Eine solche Quote ist jedoch eher die Ausnahme. Zwar geben bei der Continentale-Studie68Prozent der Befragten an, dass sie Sportprogramme im Unternehmen gut finden, tatsächlich nutzten diese aber nur 46 Prozent.

Radfahren als Firmenphilosophie

Klare Prioritäten setzt auch der Sportartikelhersteller Vaude mit Sitz im schwäbischen Tettnang- Obereisenbach. Das Outdoor- Unternehmen sieht sich besonders in der Pflicht und hat dafür das Programm „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ gestartet. Das Ziel: Möglichst viele Mitarbeiter vom Auto auf das Rad bringen – aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen. Das Unternehmen investiert daher nicht mehr in neue Parkplätze, sondern stattdessen in das betriebliche Mobilitätskonzept und in die eigene Radinfrastruktur. So stehen für die Mitarbeiter eine Reparaturwerkstatt mit „Schlauchomat“ und ein überdachter und beleuchteter Fahrradparkplatz zur Verfügung. Zum Rad- Programm gehören außerdem acht Leih-eBikes, die umsonst genutzt werden können. Private eBikes können kostenlos auf dem Gelände „betankt“ werden. Regelmäßige Kurse zu Fahrtechniken oder Reparaturen sind Teil des Programms.

Was die internen Sportprogramme betrifft, lag bei Vaude bislang der Fokus auf Bergsport und Outdoor- Events. „Wir bieten zwar seit Jahren auch Yogakurse und eine Rückenschule an, doch den Schwerpunkt bildeten Veranstaltungen wie Mountainbike und Klettertrainings, Schneeschuhwanderungen und Trekkingtouren“, erklärt Pressesprecherin Birgt Weber. Abenteuerlustige Mitarbeiter werden bei Vaude auch weiterhin auf ihre Kosten kommen, doch in Zukunft soll es zusätzlich verstärkt Angebote geben, die für Gesundheit und Wohlbefinden im Arbeitsalltag sorgen.

Klassische Ausdauer- und Herz-Kreislauf-Trainings gehören ebenso dazu wie Entspannungstechniken, Tipps zur gesunden Ernährung oder Workshops, die sich mit Dehn- und Kräftigungsübungen beschäftigen. Für das neue Gesundheitsmanagement setzt Vaude dabei auf eigene Mitarbeiter, auch um die Akzeptanz zu erhöhen. So werden derzeit 15 Mitarbeiter zu Gesundheitscoaches ausgebildet. Sie sollen später ihre Kollegen am Arbeitsplatz unterstützen – etwa bei den Themen Ergonomie und Entspannung – und auch selbst Kurse geben. Und die neue Gesundheitsvorsorge kommt bei den Mitarbeitern gut an. „Das Interesse ist riesig“, sagt Birgit Weber, „obwohl das Programm noch im Aufbau ist.“