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Kalorien

Kalorien sind nicht gleich Kalorien

Warum? Weil unser Körper nicht alle Kalorien auf die gleiche Art und Weise behandelt. Wichtig ist es, die guten von den bösen zu unterscheiden… 

Stellen Sie sich vor, Sie könnten als kleinen Snack zwischen einem Schokoriegel mit 250 Kalorien oder einer Avocado mit 250 Kalorien wählen. Wozu würden Sie greifen? Wahrscheinlich gingen Sie einfach nach dem Lustprinzip vor. Schließlich haben beide Produkte ja 250 Kalorien, nicht wahr? So wie Ihnen geht es vielen Menschen. Viele denken: Letztlich ist es doch egal, ob ich mir eine kleine Portion Pommes gönne oder einen Berg Möhren knabbere. Es kommt doch nur darauf an, wie viel ich über den Tag verteilt esse. Wenn ich weniger Kalorien zu mir nehme, als mein Körper braucht, werde ich die lästigen Kilos verlieren. Den großen Unterschied aber behalten die wenigsten im Auge: das, was ein Lebensmittel mit ihnen macht.
Einfaches Kalorienzählen berücksichtigt nämlich nicht die hormonellen Auswirkungen, die ein bestimmtes Lebensmittel auf den Körper hat. Oder fühlen Sie sich nach einer Tafel Schokolade ebenso fit wie nach einer Tüte Studentenfutter mit Nüssen? In der Regel dürften Sie sich hinterher unter- schiedlich fühlen, denn Ihr Körper reagiert auch unterschiedlich auf die- se Speisen.

Avocado oder Schokoriegel: Das passiert in Ihrem Körper

Zurück zu unserem Beispiel Schokoriegel oder Avocado! Gut möglich, dass Sie sich für den zuckerhaltigen, kohlenhydratreichen Schokoriegel entschieden haben. Aber was passiert nun? Sie beißen in den Riegel, verzehren ein Stück und setzen damit folgenden Prozess in Gang: Ihr Blut- zuckerspiegel steigt rasant an und Ihre Bauchspeicheldrüse sondert als Reaktion darauf Insulin ab. Insulin ist ein wichtiger Baustein, um Hormone zu bilden. Es hilft dabei, Zucker aus den Lebensmitteln in die Zellen zu bringen, damit er dort als Energie genutzt werden kann. Unsere Muskeln und Organe kommen mit diesem schnellen An- sturm jedoch nicht zurecht. Alles, was sie jetzt nicht schnell genug aufnehmen können, landet darum in den Fettzellen. Und genau hier liegt das Problem: Die meisten von uns nehmen zu viel Energie aus einfach verdaulichen Kohlenhydraten (z.B. Zucker und Weißbrot) zu einer Tageszeit auf, zu der ihre Muskeln das gar nicht brau- chen, und lagern sie dann als Fett ein. Sehr wahrscheinlich landet auch ein Teil des Riegels auf Ihren Hüften.
Anders sieht es aus, wenn Sie zur Avocado greifen. Sie ist fettig, aber das darin enthaltende einfache ungesättigte Fett hemmt die 
Insulinbildung.
Das gilt ebenso für
ballaststoffreiche
Lebensmittel (z.B.
Gemüse und Voll
kornprodukte). Auch
 sie lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Dadurch wird weniger Insulin ausgeschüttet. Unsere Muskeln und Organe haben dadurch mehr Zeit und können die Energie besser verarbeiten. Das wiederum führt zu einem längeren Sättigungsgefühl. Und dann liefert die Avocado einen weiteren Vorteil: Sie sendet Signale an den Körper, dass er Fett verbrennen soll.
Zwei Lebensmittel mit gleicher Kalorienzahl haben also eine unterschiedliche Wirkung auf den Körper und entscheiden mit darüber, ob Sie Fett ansetzen oder abbauen.

Zucker macht den Unterschied

Stellt sich nun die Frage, wie unter- scheide ich die guten von den schlechten Lebensmitteln – und zwar ganz unabhängig von der Kalorienzahl. Zum einen gilt es, den Zuckergehalt der Lebensmittel im Blick zu behalten. Was nicht so einfach ist, denn in den ver- gangenen 50 Jahren hat sich der Zu- ckerverbrauch weltweit verdoppelt. In fast allen verarbeiteten Lebensmitteln findet sich Zucker. Das Schlimme dar- an ist: Zucker hat absolut keinen Nähr- wert. Sie können zwar mit einer Tief- kühlpizza, einer Tafel Schokolade und einer Flasche Cola Ihren Energiebedarf für den gesamten Tag decken – aber Sie kommen damit keine 24 Stunden über die Runden, da sie kaum sättigende Nährstoffe zu sich genommen haben. Um nicht zuzunehmen, müssten Sie den Rest des Tages hungern. In der Regel ist es aber eher wahrscheinlich, dass Sie zum Kühlschrank rennen und sich etwas holen. Vielleicht mit dem verzweifelten Zusatz: „Mist – ich könnte heute den ganzen Tag essen!“

So „verwöhnen“ Sie Ihren Körper

Wer lieber eine optimale Reaktion auf sein Essen erzielen möchte, muss sich nur ein paar einfache Tricks merken und schon klappt es mit dem Schlank- werden und -bleiben:
Nach dem Clean-Eating-Prinzip vorgehen. Bedeutet: Erlaubt ist alles, was möglichst natürlich, unverarbeitet und ohne (Zucker-)Zusätze wie Geschmacks- verstärker oder Farbstoffe ist. Dazu müssen Sie einfach nur frische Lebens- mittel verwenden und so oft es geht selbst kochen.
Möglichst viel Gemüse und reichlich Eiweiß aus organischen Quellen essen (z.B. Lachs, Bohnen, Eier, Vollmilch).
Auf gesunde Fette wie Olivenöl, Kokosöl, Avocados setzen. Auf ungesunde Fette wie gehärtete Öle und Transfette (z.B. in Chips, frittierten Lebensmitteln, Fertigsuppen und -soßen) verzichten.
Kalorien aus langsam-verdaulichen, ballaststoffreichen Kohlenhydraten beziehen, da diese schön lange satt halten (z. B. Vollkornprodukte, Nüsse, Haferflocken, Quinoa). Tipp: Wenn es leere Kalorien wie Weißmehl und Zucker sein sollen (etwa Toast mit Marmelade, Pizza Salami), dann diese Mahlzeit auf die Stunde unmittelbar nach einem Workout legen. Oder: Bewusst eine wöchentliche Schummelmahlzeit einplanen, um den inneren Schweinehund zufrieden und gnädig zu stimmen.            Nari Nikbakht