Blog

Der perfekte Fahrradsattel

Nie mehr Schmerzen - dank richtigem Sitz und richtiger Einstellung. Foto: Specialized

Der perfekte Fahrradsattel

10 Kilometer joggen, kein Problem, 20 Bahnen schwimmen, auch nicht – doch kaum sitzen Sie auf dem Fahrrad, tut Ihnen nach ein paar Kilometern auf dem Fahrradsattel der Po weh. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihr Rad richtig einzustellen – so geht´s.

Das darf doch nicht wahr sein! Da jagen Rennradfahrer auf einem knüppelharten Mini-Sattel stundenlang über die Straßen und man selbst kann schon nach einer halben Stunde auf dem komfortablen Sattel des Trekkingrads nicht mehr sitzen, weil der Allerwerteste sich anfühlt wie nach einem Ritt über die Alpen. Schwacher Trost: Das geht vielen so, ein schmerzender Po ist neben kribbelnden Händen und Knieproblemen die häufigste Beschwerde, über die (nicht nur) sportliche Radlerinnen klagen.
Die Ursache für eine schmerzende Kehrseite scheint naheliegend: ein zu harter, unbequemer Fahrradsattel. Nur allzu schnell beginnt dann die Suche nach einem komfortablen Sitz – je dicker gepolstert desto besser. Doch paradoxerweise ist oft gar nicht der Sattel die Wurzel des Übels, sondern die Sitzposition auf dem Rad. Deshalb nicht gleich einen neuen Sattel kaufen, sondern erstmal den vorhandenen richtig einstellen! Denn nur wenn die Fahrerin richtig auf dem Rad sitzt, klappt’s auch mit dem relaxten, schmerzfreien Biken.

So finden Sie die korrekte Sitzposition

Helfer engagieren.  Zu zweit geht’s einfacher. Ein Helfer oder eine Helferin hält das Rad fest, während Sie auf dem Sattel sitzen und Maß nehmen.
Sattelhöhe. Auf dem Sattel Platz nehmen, ein Pedal ganz nach unten an den tiefsten Punkt drehen. Jetzt mit der Ferse auf das Pedal stellen. Nun muss das Bein ganz durchgestreckt sein, andernfalls die Sattelhöhe korrigieren. So ist sichergestellt, dass später beim Fahren mit dem Vorderfuß das Bein stets leicht angewinkelt bleibt und man weder „mit den Knien unter dem Kinn“ radelt noch auf dem Sattel nach rechts und links schwankt, weil der Abstand zwischen Sitzfläche und Pedal zu groß ist.
Sattelneigung. Je stärker der Sattel nach vorn gekippt wird, desto mehr rutscht man beim Fahren nach vorne – was dann wiederum die Hände stärker belastet, die zusätzlichen Gegendruck ausüben müssen. Deshalb den Sattel möglichst waagerecht ausrichten, höchstens ganz minimal nach vorne neigen.
Horizontale Sattelposition. Fast alle Sättel lassen sich auf der Sattelstütze um ein paar Zentimeter nach vorne oder hinten schieben. Zum Ermitteln der richtigen Position auf dem Sattel Platz nehmen, ein Pedal waagerecht nach vorn stellen (3-Uhr-Position), den Vorderfuß mit dem Fußballen wie beim Radeln auf das Pedal stellen. Nun muss die Kniescheibe genau senkrecht über der Pedalachse stehen (gerne mit einem Lot nachmessen). Stimmt die Position nicht, den Sattel entsprechend weiter nach vorne oder hinten verschieben.

Passt alles richtig, sind beim Trekkingbike Sattel und Lenker jetzt etwa auf gleicher Höhe. Beim Stadtrad ist der Sattel etwas tiefer als der Lenker, beim sportlichen Rad etwas höher.

Wenn doch ein neuer Sattel her muss

Schmerzt der Po auch nach diesen Einstellungen noch, liegt’s womöglich doch am Sattel. Dann hilft nur Ausprobieren, denn den einzig wahren Sattel gibt es nicht. Dabei gilt: Der Sattel ist kein Sofa, weich und dick gepolstert bedeutet nicht unbedingt bequem – im Gegenteil. Oft führt gerade eine zu weiche Polsterung zu Beschwerden. Nämlich dann, wenn die Sitzknochen zu tief einsinken und der Druck auf andere, empfindliche Partien verlagert wird. Wichtig ist es, einen Sattel zu finden, der optimal

  • zur individuellen Sitzposition (eher aufrecht oder eher sportlich) passt und
  • zum Abstand der Sitzknochen, der bei jedem Menschen unterschiedlich ist.

Am besten beim Fachhändler unterschiedliche Sättel ausprobieren, ein guter Händler bietet verschiedene Modelle zum Probefahren an. Tipp: Wer auf Nummer Sicher gehen will, lässt die Position seiner Sitzknochen beim Fachhändler vermessen und sucht dann den passenden Sattel aus. Viele Fachhändler vermessen etwa nach dem System „sit & fit“ des deutschen Sattelspezialisten SQlab, das schon seit Jahren bewährt ist und immer weiterentwickelt wird. Ebenfalls empfehlenswert:  Eine individuelle Anpassung des kompletten Bikes (samt Sitzposition) mit dem „Body Geometrie Fit-System“ des Fahrradherstellers Specialized.