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Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche

Bild: shutterstock

Auf dem Öko-Weg

Grenzenlose Freiheit, Abenteuerlust oder sportliche Herausforderung gepaart mit Nachhaltigkeit

Immer mehr Menschen suchen und finden genau das in der Natur. Nachhaltigkeit ist für Outdoor-Fans deshalb ein wichtiges Thema. Und die Hersteller reagieren darauf: Mit hohen sozialen und ökologischen Standards übernehmen sie in der Textilbranche eine Vorreiterrolle.

Kleidung wird heute vor allem in asiatischen und südamerikanischen Ländern günstig produziert. Das gilt nicht nur für Jeans und T-Shirts, sondern auch für High Tech- und Funktionskleidung. Doch Berichte über die Arbeitsbedingungen in den weit von uns entfernten Textilfabriken lassen die neue Outdoor-Jacke in einem anderen Licht erscheinen. Viele Outdoor-Hersteller haben sich daher der Fair Wear Foundation (FWF) angeschlossen, die eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie zum Ziel hat.

Dafür hat die Non-Profit-Organisation acht grundlegende Arbeitsrichtlinien festgelegt.

Dies sind: Keine Zwangsarbeit, keine Diskriminierung am Arbeitsplatz, keine Kinderarbeit, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf kollektive Verhandlungen, existenzsichernde Löhne, keine überlangen Arbeitszeiten, ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld und ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis. Hersteller, die mit der FWF zusammenarbeiten, halten diese Grundsätze ein – die Mitgliedschaft in der FWF bestätigt das und wirkt damit nach außen wie ein Gütesiegel.

Angekündigte Maßnahmen zur Verbesserung einzelner Richtlinien werden von der FWF kontrolliert. Mitglied in der FairWear Foundation sind unter anderem Deuter, Haglöfs, Jack Wolfskin, Maier Sports, Mammut, Mountain Equipment, Odlo, Schöffel, Switcher, Salewa und Vaude. www.fairwear.org

bluesign – Garantie für höchste Umweltstandards

Wie können Verbraucher sicher sein, dass eine Jacke oder eine Hose tatsächlich nachhaltig – also umwelt- und ressourcenschonend – gefertigt wurde? Dazu müssen alle Produktionsschritte sowie alle verwendeten Materialien und Substanzen bekannt sein und festgelegten Umweltstandards entsprechen. Das Schweizer Unternehmen bluesign technologies hat strenge Kriterien entwickelt, die das garantieren.

Sogenannte bluesign-Systempartner verpflichten sich in einem Vertrag, nach den strengen bluesign-Kriterien zu produzieren. „DieUmstellung ist für die Unternehmen nicht leicht und er Dichfordert Zeit und auch ein finanzielles Investment“, erklärt Peter Waeber, CEObluesign technologies. Für jedes Unternehmen werden eigene Ziele definiert (z.B. Verzicht auf bestimmte Chemikalien, Umstellung auf umweltfreundliche Technologien, Zeitrahmen).

Die Einhaltung der Ziele in der Umsetzung wird von bluesign technologies kontrolliert. EinzelneProdukte,die durchgängig nach bluesign-Kriterien hergestellt wurden, können mit dem „bluesign product“-Label beworben werden – ein Label, das sich zunehmend in Jacken und Hosen der Outdoor- Hersteller findet. Das „bluesign product“-Label garantiert zwar strengste Umweltstandards, dennoch sieht sich bluesign technologies nicht als Öko-Zertifizierungsstelle.

„Wir sind in erster Linie ein Service- unternehmen, das anderen Unternehmen hilft, ihre Produkte sicher herzustellen“, sagt PeterWaeber. Zu den bluesign Systempartnern zählen u.a. Bergans, Deuter, Haglöfs, Helly Hansen, JackWolfskin,Mammut,Marmot, Mountain Hardwear, Patagonia, Salewa, Schöffel, The North Face, Petzl, Klättermusen, Houdini, Isbjörn, Thule, Vaude und XD Apparel. www.bluesign.com

Weg von schädlichen Chemikalien

Lange Zeit galt PFC als eine Art Wunderstoff, fast jeder Hersteller setzt zur Beschichtung von wasserabweisender Kleidung darauf. Das kommt nicht von ungefähr: Die per- und polyfluorierten Chemikalien sind äußerst wasser-, fettund schmutzabweisend – weisen also genau die Eigenschaften auf, die Outdoor- Fans schätzen. Tatsächlich enthält die meiste sogenannte DWR-Ausrüstung (Durable Water Repellent) PFC. Dass die Outdoor-Hersteller inzwischen mit Hochdruck an einem Ersatzstoff arbeiten, liegt an den seit einiger Zeit bekannten „Nebenwirkungen“ von PFC. Die Fluor- Kohlenstoff-Bindung gilt mittlerweile als äußerst problematisch, da sie sehr stabil ist und die Stoffe in der Umwelt nicht abgebaut werden.

Die am stärksten kritisierte Substanz unter den PFC heißt PFOA(Perfluoroctansäure). Dieser Stoff kommt in der Natur nicht vor, wurde aber selbst in der Antarktis bereits nachgewiesen. Die Substanz ist giftig, reichert sich imKörper an, ohne sich wieder abzubauen, und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Den Herstellern ist die Umweltproblematik durchaus bewusst.Viele bemühen sich schon länger um den PFC-Ausstieg und suchen nach umweltfreundlichen Alternativen. Doch dies scheint schwierig.

Was den Abperleffekt und die Dichfordert tigkeit betrifft, können die Ersatzstoffe mit PFC offenbar (noch) nicht mithalten. Dennoch hat sich viel getan. Die meistenHersteller haben den Anteil der PFC-haltigen Kleidungstücke deutlich reduziert und setzen als Zwischenschritt auf eine weniger gefährlicheFluorchemie.Umdas gefährliche PFOA zu vermeiden, verwenden sie statt der sogenannten C8 Chemie nun die C6 Chemie, die kein PFOA enthält. Ziel ist es aber, künftig auch die – und damit alle PFC – zu vermeiden.

Welche Anstrengungen die Hersteller und großen Marken zurzeit unternehmen und was sie bereits erreicht haben – fünf Beispiele:

Fjällräven


Traditionell setzt das Unternehmen auf eine Imprägnierung mit Wachs. Bei Hard-Shell- Produkten wird mittlerweile komplett auf eine PFC-haltige Imprägnierung verzichtet. Fjällräven garantiert eine fluorocarbonfreie Imprägnierung und setzt zudem auf ein selbstentwickeltes, recyclebares Eco-Shell Material.

Jack Wolfskin


2012 hatte Jack Wolfskin angekündigt, bis 2020 komplett aus der Fluorchemie aus zusteigen und somit PFC-frei zu werden. Um die Fortschritte imFluorchemie- Ausstieg besser nachvollziehen zu können, hat das Unternehmen seine Ziele auf der Roadmap „Wir gehen weiter“ definiert. So kann der Prozess etappenweise nachverfolgt und bewertet werden. Das Vorhaben, bis Dezember 2016 eine zu 50 Prozent PFC-freie Kollektion zu präsentieren, wurde bereits bis Winter 2014 umgesetzt. Die Sommerkollektion 2015 ist zu 75 Prozent PFC-frei.

Mammut


Das Schweizer Unternehmen hat den Einsatz der C8 Chemie gestoppt und setzt nun auf dieC6Chemie (ohne PFOA).Mammut sieht dies aber „keineswegs als Lösung, sondern als ersten Schritt auf dem Weg hin zum kompletten PFC-Ausstieg“, wie das Unternehmen auf seiner Homepage schreibt. „Die Suche nach PFC-freien Alternativen setzen wir deshalb mit Hochdruck fort.“

Schöffel


Seit der Sommerkollektion 2014 garantiert Schöffel eine PFOA-freie Kleidung. Das Unternehmen hat die Produktion auf die C6 Chemie umgestellt. Ab der Frühjahr/ Sommer Saison 2016 wird es jedoch erstmals Jacken und Hosen mit PFC-freier Imprägnierung geben. Ziel ist der komplette PFC-Ausstieg.

Vaude


87 Prozent der Vaude-Bekleidung tragen das Green Shape- Label. Mit dieser eigenen Bewertungsform hat sich Vaude eigene Umweltstandards gesetzt. Alle Green Shape-Produkte enthalten nur Stoffe und Materialien, die umweltschonend hergestellt. Ab der Winter-Kollektion 15/16 sind sie auch komplett PFC-frei. Seit 2014 verzichtet Vaude auf PFOA (C8 Chemie).Weiterhin eingesetzt wird jedoch vor allem für wasserdichte Bekleidung die C6 Chemie. Bis 2020 will Vaude komplett PFC-frei sein.

FAZIT

Die Aussichten mit einem ökologisch guten Gewissen die Natur zu genießen, sind gut. Und: Nachhaltige Outdoor-Produkte gibt es schon jetzt. Es lohnt sich, auf den Seiten der Hersteller zu stöbern oder in den Stores konkret danach zu fragen.

Die PET-Flasche wird zur Jacke

Polartec-Materialien finden sich in vielen Outdoor-Kleidungsstücken. Jetzt hat das Unternehmen die milliardste Flasche recycelt. Bereits 1993 begann Polartec mit der Herstellung von recycelten Stoffen. Die Technologie war damals noch in den Kinderschuhen. Die ersten Materialien waren kratzig, die Farben wenig ansprechend und die Nachfrage entsprechend gering. Im Jahr 2009 lag der Recyclinganteil immerhin bei 30 Prozent. 2010 präsentierte Polartec Repreve 100, ein Garn, das zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen besteht und sich in der Qualität nicht mehr von neuem Polyestergarn unterscheidet. Heute verarbeiten viele Marken Polartec Stoffe aus Repreve 100 – darunter Eider, Millet, Montane, Mountain Equipment, The North Face, Ternua und Vaude.